Promotionsprojekte im Schwerpunktbereich “Bildungsforschung auf der Grundlage von Daten der amtlichen Statistik sowie Prozess- und Paneldaten unterschiedlicher Provenienz (einschließlich der Indikatorenforschung)“ - Runde 1
Ansatz für ein kleinräumiges Bildungsmonitoring - Eine Analyse des Zusammenhangs zwischen sozialräumlicher Differenzierung und Bildungsbe(nach)teiligung
| Ruhr-Universität Bochum | Betreuender: Prof. Dr. Peter Strohmeier |
ZEFIR Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung |
Promovierender: Tobias Terpoorten |
| Im Lottental 38 | FKZ: 01GJ0854 |
| 44801 Bochum | Betrag: 80.709 EUR |
| Laufzeit: 01.04.2009 - 31.03.2011 | |
Auf Basis von kleinräumiger Kommunalstatistik und der amtlichen Schulstatistik wird der Zusammenhang zwischen städtischer sozialräumlicher Differenzierung und Bildungsbe(nach)teiligung der Bevölkerung analysiert. Der Fokus liegt dabei auf dem allgemeinbildenden Schulsystem – Untersuchungsregion ist das Ruhrgebiet. Im Rahmen eines Geografischen Informationssystems (GIS) werden Bildungseinrichtungen verortet und im Kontext des umliegenden Milieus analysiert. Ausgehend von den Ergebnissen soll ein Konzept für eine sozialraumorientierte und überregionale Bildungsberichterstattung entwickelt werden, welches im Kontext von Beobachtung, Analyse und Steuerung des Bildungswesens eingebunden werden kann. Zunächst wird eine Übersicht über aktuelle Ansätze der sozialraumbezogenen Bildungsforschung erstellt. Im Fokus werden die jeweiligen räumlichen Ebenen und die verwendeten Indikatoren stehen. Auf Grundlage amtlicher Städtestatistiken wird für alle elf kreisfreien Städte und einige Gemeinden eine kleinräumige Sozialraumtypologie (Clusteranalyse, Faktorenanalyse) durchgeführt. Eine Verknüpfung der Sozialräume mit der amtlichen Schulstatistik erfolgt über eine räumliche Verortung der Schulstandorte. Der Ansatz ermöglicht eine städteübergreifende Analyse der Bildungseinrichtungen in ihrem jeweiligen Milieu und kann kleinräumige Unterschiede im Bildungsverhalten aufzeigen. Analysen über die ermittelten Sozialraumtypen erlauben Vergleiche von Schulstandorten desselben Milieus. Die Erkenntnisse werden eine systematische und kontinuierliche sozialräumliche Beobachtung und Analyse des schulischen Bildungswesens ermöglichen. Ziel ist es mit amtlichen Daten kreative Analysekonzepte zu entwickeln (hier besonders die Kombination zwischen Raum- und Schulinformationen), die für bildungsrelevante Fragestellungen genutzt werden können.
Bildungsexpansion, Differenzierung des Hochschulsystems und Auswirkungen auf die soziale Selektivität
HIS Hochschul-Informations-System GmbH |
Betreuender: Prof. Dr. Walter Müller, |
| Goseriede 9 | Universität Mannheim |
| 30159 Hannover | Promovierender: Markus Lörz |
| FKZ: 01GJ0855 | |
| Betrag: 96.745 EUR | |
| Laufzeit: 01.02.2009 - 31.01.2012 |
Das Promotionsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Bildungsexpansion und die Ausweitung sowie Differenzierung des Hochschul- und Studienangebots auf die soziale Selektivität des tertiären Bildungssystems ausgewirkt hat. Auf Basis amtlicher und halbamtlicher Daten wird die Bildungsexpansion auf der Sekundarstufe II und die Ausdifferenzierung des deutschen Hochschulsystems nachgezeichnet, sowie die Entwicklung herkunftsspezifischer Unterschiede beim Übergang ins Studium und im Studienverlauf analysiert. Hierbei unterscheidet die Arbeit zwischen herkunftsspezifischen Unterschieden, die sich auf den erfolgreichen Übergang ins Studium beziehen (quantitative Unterschiede), und herkunftsspezifischen Unterschieden, die sich auf die Entscheidungen bei der Aufnahme des Studiums in einer bestimmten Fachrichtung, einer Hochschulart oder an einem bestimmten Hochschulort beziehen (qualitative Unterschiede). Ziel ist es die verschiedenen Aspekte sozialer Ungleichheit im Hochschulsystem im Zeitverlauf zu analysieren und empirisch mit den institutionellen und bildungspolitischen Veränderungen in Beziehung zu setzen. Um ein differenziertes Bild über die herkunftsspezifischen Unterschiede geben zu können, und um deren Entwicklung in den letzten 30 Jahren detailgenau nachzeichnen zu können, werden erstmals 14 HIS Studienberechtigtenpanel (1976-2006) synchronisiert, mit Kontextinformationen ergänzt und ein kumulierter Datensatz erstellt. Anhand dieser Daten können die Veränderungen auf der Sekundarstufe II und im Hochschulsystem mittels logistischer und diskret logistischer Ereignisdatenmodelle analysiert, Einflussfaktoren bestimmt und eine Aussage hinsichtlich der Entwicklung herkunftsspezifischer Ungleichheiten beim Übergang ins Studium und im Studienverlauf getroffen werden. Die Umsetzung erfolgt in der Erstellung eines Längsschnittdatensatzes, Publikation von Zwischenergebnissen, Konferenzbeiträgen und einer Dissertation, die die Ergebnisse der Analyse zusammenfasst.
Bildungsexpansion und Differenzierung der Studienberechtigung. Mechanismen der sozialen Selektivität im Hinblick auf den Zugang zum Studium
| Universität Mannheim | Betreuender: Prof. Dr. Walter Müller |
Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) |
Promovierender: Steffen Schindler |
| L7, 1 | FKZ: 01GJ0851 |
| 68161 Mannheim | Betrag: 93.585 EUR |
| Laufzeit: 01.02.2009 - 31.01.2012 | |
Das Promotionsprojekt widmet sich der Entwicklung der sozialen Ungleichheit beim Zugang zu höherer Bildung. Dabei konzentriert sich das Projekt auf die Gelenkstelle der Hochschulzugangsberechtigung und untersucht, wie die mit der Bildungsexpansion einhergehende Ausdifferenzierung der Zugangswege zur Studienberechtigung die Beziehung zwischen sozialer Herkunft und dem Zugang zur Hochschulbildung beeinflusst hat. Damit sollen einige noch bestehende Unschärfen im bisherigen Forschungsstand besser beleuchtet und in der Tiefe untersucht werden. Durch die Verwendung amtlicher und halb-amtlicher Daten soll dazu ein noch weitgehend ungenutztes Potenzial für die Adressierung dieser Fragestellungen herangezogen werden. Die erste Projektphase ist der Erstellung einer Datenbasis sowie einer Übersicht über die Ausdifferenzierung der Zugangswege zur Studienberechtigung im Zuge der Bildungsexpansion gewidmet. Nach Abschluss der Datenaufbereitung werden zunächst wichtige Begleiterscheinungen der Bildungsexpansion, wie der sozialstrukturelle Wandel und die gesteigerte Bildungsbeteiligung von Frauen untersucht, bevor die zentralen Analysen zur sozial selektiven Nutzung verschiedener Wege zur Studienberechtigung vorgenommen werden. Daran schließen Analysen zu Konsequenzen dieser selektiven Wege für die soziale Ungleichheit beim Hochschulzugang an. Die Ergebnisse des Vorhabens sollen die Mechanismen der Ausdifferenzierung von Bildungswegen offenlegen. Insbesondere die Wirkung auf das Ausmaß an sozialer Selektivität beim Zugang zu höherer Bildung steht dabei im Blickpunkt. Durch das Projekt sollen grundlegende Erkenntnisse bereitgestellt werden, die einerseits wesentlich zur Schließung einer Forschungslücke beitragen sollen, andererseits im Prozess politischer Bildungsplanung direkt herangezogen werden können.
Faire Vergleiche in der Schulleistungsforschung - Methodologische Grundlagen und Anwendung auf Vergleichsarbeiten
| Friedrich-Schiller-Universität Jena | Betreuender: Prof. Dr. Rolf Steyer |
| Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften | Promovierende: Christiane Fiege |
Institut für Psychologie |
FKZ: 01GJ0852 |
| Am Steiger 3 | Betrag: 78.918 EUR |
| 07743 Jena | Laufzeit: 01.02.2009 - 31.07.2011 |
Ziel des beantragten Projekts ist es, anhand der Theorie kausaler Effekte verschiedene Adjustierungsstrategien theoretisch zu fundieren, um die Interpretation der daraus resultierenden Ergebnisse als Unterrichts- bzw. Schuleffekte zu rechtfertigen. Davon ausgehend sollen verschiedene Adjustierungsstrategien hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit geprüft und Richtlinien zur Verwendung von Adjustierungsstrategien erarbeitet werden. Es wird ein integrierter Forschungsansatz verwendet, der sowohl die theoretische Fundierung als auch methodische Aspekte betrachtet. Dabei stehen drei Ziele im Mittelpunkt des Projekts, die den Bearbeitungsprozess in drei Teilphasen gliedern: Gegenstand der ersten Phase bildet die Systematik von Adjustierungsverfahren. Nach einer systematischen Recherche wird eine umfassende Übersicht der Adjustierungsverfahren der Bundesländer erstellt. In der zweiten Phase erfolgt die kausaltheoretische Fundierung der Adjustierungsverfahren, d.h. eine Einordnung der verschiedenen Adjustierungsverfahren in die Theorie kausaler Effekte, um eine Beurteilung hinsichtlich der Fairness der jeweils berechneten Ergebnisse zu ermöglichen. In der dritten Arbeitsphase erfolgt die Praxisprüfung vorhandener Adjustierungsverfahren. Hier werden die verschiedenen Adjustierungsstrategien hinsichtlich praxisbezogener Kriterien beurteilt und Handlungsanweisungen für die Anwendung von Adjustierungsstrategien (bspw. bezüglich der Auswahl von Kovariaten) erarbeitet. Ergebnis dieser Arbeit soll sein, einen allgemein verbindlichen Standard im Umgang mit Adjustierungsverfahren in Vergleichsarbeiten zu schaffen, der Bildungswissenschaftler zu einem methodisch differenzierten Umgang mit Daten im Kontext von Schulleistungsuntersuchungen befähigen soll.
Soziale Selektion (Öffnungs- und Schließungstendenzen) in der beruflichen Ausbildung
Soziologisches Forschungsinstitut (SOFI) e.V. |
Betreuender: Prof. Dr. Martin Baethge |
| an der Georg-August-Universität Göttingen | Promovierender: Markus Wieck |
| Friedländer Weg 31 | FKZ: 01GJ0853 |
| 37085 Göttingen | Betrag: 129.516 EUR |
| Laufzeit: 01.02.2009 - 31.01.2012 | |
Ziel des Vorhabens ist es, Muster sozialer Ungleichheit und ihre Dynamik innerhalb der Berufsausbildung herauszuarbeiten. Im Fokus steht die Bedeutung von Geschlecht, Migrationshintergrund, schulischer Vorbildung und sozialer Herkunft als Determinanten für soziale Strukturierungsprozesse im Zugang zu Ausbildung. Darüber hinaus soll geklärt werden, ob sich die Muster sozialer Ungleichheit verfestigen, auflösen oder neu strukturieren, und ob die Berufsausbildung zu einer Verringerung oder Verstärkung bereits in der Schule wirkender sozialer Bildungsungleichheit führt. Dabei ist die Berufsausbildung nach ihrer inneren Struktur weiter zu differenzieren, um Unterschiede im Zugang zu Berufen, Ausbildungsformen und Schularten zu prüfen. Es sind Veränderungen auf der Wirtschafts- und Beschäftigungsseite wie auch die Ausweitung und Ausdifferenzierung der allgemeinbildenden Schulabschlüsse systematisch einzubeziehen. Um solch langfristige Veränderungen in den Blick zu nehmen, beginnt der Betrachtungszeitraum soweit möglich in den 1960er Jahren. Es wird eine theoretische Aufarbeitung des Forschungsstandes zum Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Berufsbildung vorgenommen und Konzepte zur Sozialstrukturanalyse hinsichtlich Operationalisierung und Eignung für die gestellten bildungsspezifischen Fragen geprüft. Darauf aufbauend werden deskriptive und multivariate Sekundäranalysen großer Statistiken und Umfragen durchgeführt. Vor diesem Hintergrund werden vorhandene Datenquellen für die Fragestellung geprüft und systematisiert - für lange Zeitreihen wird älteres Material digitalisiert. Durch die systematische Prüfung von Analysekonzepten und Klassifikationen von Merkmalsausprägungen in Datensätzen sowie die Weiterentwicklung und Ergänzung von Indikatoren ist ein praktischer Nutzen für die Bildungsberichterstattung (Nationaler Bildungsbericht) und das Bildungsmonitoring zu erwarten.
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ZEFIR Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung