Genetische und neurokognitive Einflussfaktoren der Lesefertigkeit (2. Phase)


Entwicklung eines frühdiagnostischen Biomarkers zur Prognose der zukünftigen Lesefertigkeit dyslexiegefährdeter Kinder im Vorschulalter

Freie Universität Berlin

Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie

Allgemeine Psychologie

Habelschwerdter Allee 45

14195 Berlin

Projektleiter: Prof. Dr. Arthur Jacobs

Förderkennzeichen: 01 GJ 1404

Förderbetrag: 368.246 EUR

Laufzeit: 01.07.2014 – 31.12.2017


Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung eines genbasierten Diagnostikinstrumentes zur Frühbestimmung einer sich aufgrund der genetischen Ausstattung abzeichnenden zukünftigen Lesestörung. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit neue, wichtige Erkenntnisse zur Effizienz der neuronalen Lesenetzwerke und ihrer biologischen Determinanten zu erlangen. Neben dem sehr wichtigen anwendungsbezogenen Aspekt sollen auch grundsätzliche Fragen zur Ursache bzw. Kausalität der Aktivität neuronaler Strukturen bei dyslektischen Kindern beantwortet werden. Da Lesen ein stark individuell geprägter Prozess ist, an dessen Ausführung multiple genetische, neuronale und soziale Faktoren beteiligt sind, ist eine individuelle, ursachenbezogene, frühe Diagnose entscheidend für einen erfolgreichen Therapieverlauf.

Das Vorgehen ist längsschnittlich angelegt. Es sind zwei Messzeitpunkte geplant, bei denen die Daten derselben 150 Kinder im Abstand von zwei Jahren erhoben werden. Zunächst werden mögliche Probanden einem kurzen Screening unterzogen, um 75 Kinder auszusuchen, die einer Risikogruppe zur Entwicklung einer Leseschwäche/-störung angehören und 75 Kinder, bei denen das nicht der Fall ist. Für die erste Messung sollen Prädiktoren der zukünftigen Leseleistung wie die Fähigkeit zur Aufmerksamkeitslenkung und zum schnellen automatisiertem Benennen von Objekten sowie die Hirnaktivierungsmuster der Kernfunktionen der Lesefertigkeit erfasst werden. Die Intelligenz wird als Kontrollmaß erhoben. Anschließend wird der individuelle genetische Wert bezogen auf die Lesefertigkeit erstellt. Gegen Ende der zweiten Klasse wird die gleiche Stichprobe einer erneuten Messung unterzogen, um das tatsächliche Vorliegen einer Leseschwäche/-störung auf behavioraler Ebene überprüfen zu können. Eine abschließende Zusammenführung aller Ergebnisse ermöglicht es, Aussagen zum prädiktiven oder mediativen Charakter des genetischen Werts auf die Lesefertigkeit sowie auf die Effizienz der neuronalen Lesenetzwerke zu treffen.

Da das Vorhaben Fragestellungen der Grundlagenforschung und angewandten Forschung aufgreift, wird erwartet, dass sowohl die in der Lese- und Dyslexieforschung tätigen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, im Besonderen aber die Kinder und in der Praxis tätigen Psychologen und Psychologinnen, Pädagogen und Pädagoginnen oder Kinder- und Jugendpsychiater und -psychiaterinnen von den Ergebnissen der Studie profitieren werden. Durch die Kombination der genetischen, neurokognitiven und behavioralen Einflussfaktoren auf die Lesefertigkeit soll ein prädiktives Diagnostikinstrument erstellt werden, dass die individuellen Veranlagungen der Kinder in besonderen Maße berücksichtigt und bereits vor dem Erlernen des Lesens Aussagen über die zukünftige Lesefertigkeit treffen wird. Gerade in Hinblick auf die aktuell diskutierte Thematik von Chancengleichheit in der Bildung, kann so ein wichtiger gesellschaftspolitischer Beitrag geleistet werden und der Therapieerfolg dieser Kinder erhöht werden.

Weitere Informationen unter:
1. Phase des Projekts
http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/allgpsy/index.html