Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms zur Überwindung von Arbeitsgedächtnisdefiziten bei Kindern mit Lese-Rechtschreibstörung


Universität Hildesheim

Fachbereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften

Institut für Psychologie

Marienburger Platz 22

31141 Hildesheim

Projektleiterin: Prof. Dr. Claudia Mähler

Förderkennzeichen: 01 GJ 1007

Förderbetrag: 349.157 EUR

Laufzeit: 01.11.2010 – 28.02.2014



Arbeitsgedächtnisdefizite, hauptsächlich der phonologischen Schleife und der Zentralen Exekutive, gehen meist mit Lese-Rechtschreib-Störungen einher. Die Spezifität des Defizits und der enge Zusammenhang von phonologischer Informationsverarbeitung und Schriftspracherwerb legen eine ursächliche Beziehung zwischen einem funktionalen Arbeitsgedächtnisdefizit und einer Störung des Schriftspracherwerbs nahe. Damit gewinnt die mögliche Beeinflussbarkeit der Arbeitsgedächtnisfunktionen eine große Bedeutung.

Das Anliegen dieser Studie bestand darin, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob vorhandene Arbeitsgedächtnisdefizite behebbar oder zumindest reduzierbar sind. Dabei war von besonderer Bedeutung, ob sich eine (mögliche) Steigerung der Arbeitsgedächtniskapazität sowohl bei Kindern mit Störungen des Schriftspracherwerbs und der Arbeitsgedächtnisfunktionen als auch bei unbeeinträchtigen Kindern positiv auf die Entwicklung des Lesens und Schreibens auswirkt. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde zu diesem Zweck ein computergestütztes Trainingsprogramm (AGENT 8-1-0) entwickelt, welches durch ein adaptives Vorgehen jedes Kind an seiner individuellen Leistungsobergrenze trainiert. Das Programm ist als Detektivgeschichte konzipiert und enthält zehn Trainingsspiele zur Steigerung der Arbeitsgedächtnisspeicher- und Verarbeitungskapazität. Es umfasst sechs Wochen mit je drei Trainingseinheiten von ca. 45 Minuten. Für die Wirksamkeitsevaluation wurde im Rahmen eines Versuchsplans mit drei Messzeitpunkten (vorher, nachher und ein halbes Jahr nach dem Training) die Entwicklung der Arbeitsgedächtnisfähigkeiten von Drittklässlern und Drittklässlerinnen mit und ohne Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten erhoben. Darüber hinaus wurde ein möglicher Transfer auf die Schulleistungen gemessen.

Die Analysen deuteten nicht darauf hin, dass Drittklässler und Drittklässlerinnen ohne Lern- und Arbeitsgedächtnisschwierigkeiten von einem Training der stattgefundenen Art bedeutsam profitieren. Lediglich die Kapazität zur Speicherung visuell-räumlicher Informationen konnte durch das Training leicht erhöht werden. Zwar waren diese Ergebnisse auf den ersten Blick enttäuschend, es muss jedoch beachtet werden, dass bisher ausschließlich unbeeinträchtigte Kinder untersucht wurden. Die Ergebnisse schließen noch nicht aus, dass vorhandene Arbeitsgedächtnisdefizite bei Kindern mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten mit diesem Training kompensiert werden können. Das Vorhaben, Kinder mit Lese-Rechtschreib- sowie Arbeitsgedächtnisschwierigkeiten zu trainieren, wurde daher weiter verfolgt.

Weitere Informationen unter:
http://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/psychologie/