Die Rolle von Fehlersensitivität bei der Aufrechterhaltung der Lese-Rechtschreib-Schwäche (1. Phase)


Universität Lübeck

Universitätsklinikum

Klinik für Neurologie

Ratzeburger Allee 160

23562 Lübeck

Projektleiter: Prof. Dr. Thomas Münte

Förderkennzeichen: 01 GJ 1009

Förderbetrag: 239.620 EUR

Laufzeit: 01.01.2011 – 31.12.2013


Eine mangelnde Sensitivität gegenüber Fehlern beim Schreiben und Lesen kann eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) aufrechterhalten. Befunde der kognitiven Neurowissenschaft zeigen, dass Fehlerdetektion mit Aktivierungen des medialen präfrontalen Kortex einhergeht. Nicht nur intern generierte, sondern auch externe Information über die Performanzgüte führt zur Aktivierung dieser Strukturen und zeigt somit, dass das Gehirn flexibel intern generierte und extern dargebotene Information für die Handlungsüberwachung nutzen kann.

In dem Forschungsprojekt sollte zunächst gezeigt werden, dass (a) bei Normalpersonen für die Detektion von Schreibfehlern ähnliche Aktivitäten des medialen präfrontalen Kortex zu beobachten sind wie bei einer Fehlerdetektion in anderen kognitiven Domänen und (b) dass diese Fehlerkorrelate bei Personen mit LRS vermindert sind. Die kortikale Aktivierung bei der Fehlerdetektion wurde mit ereigniskorrelierten Potenzialen (ERP) erfasst. Vergleichend wurde zwischen Kindern der Klassenstufe 2 und der Klassenstufe 4 untersucht, wie sich die Fehlersensitivität bei normal lesenden/schreibenden Kindern gegen Ende der Grundschulzeit ausgebildet hat. Für die Untersuchung der Selbstüberwachung beim Schreiben wurde ein neuartiger Versuchsaufbau entwickelt, bei dem Eingaben über die Computertastatur erfasst wurden und für die Generierung von Hirnpotenzialen verwendet werden konnten. Mit diesem zweiten Versuchsaufbau sollten die neuronalen Korrelate der Fehlersensitivität beim Schreiben dargestellt werden. Ausgehend von Befunden, dass (a) extern applizierte Feedbacksignale effektive Lernsignale sind und (b) unter Bedingungen der Fehlerminimierung (errorless learning) schnelleres Lernen erfolgt, wurde ein Interventionsprogramm konzipiert, das Eingaben des Probanden nach einem Diktat in Echtzeit erfasst, Fehler sofort rückmeldet und eine fehlerfreie Eingabe im Sinne eines errorless learning erzielt.

Die Analyse der reaktionsbezogenen ERPs zeigte, das im Vergleich zu Erwachsenen mit und ohne LRS und zu Kindern der 2. Klassenstufe Kinder der 4. Klassenstufe eine ausgeprägte Aktivierung im medialen präfrontalen Kortex zeigten, die auf erhöhte selbstreferenzielle Lernmechanismen schließen ließ. Waren wie bei Erwachsenen mit LRS diese selbstreferenziellen Lernmechanismen nicht valide, konnte ein fehlerfreies Lernen helfen, diese Mechanismen zu konsolidieren. In weiteren Untersuchungen sollten mithilfe der funktionellen Kernspintomografie die an diesen Lernmechanismen beteiligten kortikalen Netzwerke weiter charakterisiert werden. Gleichzeitig sollte ein computerbasiertes Programm entwickelt werden, das Personen mit LRS über Mechanismen des fehlerfreien Lernens bei dem Erwerb einer fehlerverminderten Schriftsprache unterstützt.

Weitere Informationen unter:
2. Phase des Projekts
http://www.neuro.uni-luebeck.de/neuro/index.php/allgemeine-infos/ueber-uns.html