Zur Bedeutung des Diskrepanzkriteriums zur Intelligenz für die Definition der Rechenstörung (1. Phase)


Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Fakultät I - Bildungs- und Sozialwissenschaften

Institut für Pädagogik

Ammerländer Heerstraße 114-118

26111 Oldenburg

Projektleiter: Prof. Dr. Dietmar Grube

Förderkennzeichen: 01 GJ 1008

Förderbetrag: 324.418 EUR

Laufzeit: 01.01.2011 – 28.02.2014


Als Rechenstörung werden Schwierigkeiten beim Erwerb von Rechenfertigkeiten diagnostiziert, die nicht auf Umweltbedingungen oder einen allgemeinen Begabungsmangel zurückgehen. Die Diagnose wird aktuell nur vergeben, wenn die Rechenleistung deutlich unter dem allgemeinen kognitiven Leistungsniveau liegt. Bisher liegen allerdings kaum Hinweise darüber vor, inwiefern sich Kinder, bei denen diese Diskrepanz zwischen Rechenfertigkeiten und kognitiver Leistungsfähigkeit gegeben ist, von Kindern unterscheiden, bei denen man die Diskrepanz nicht findet.

Im Projekt wurde untersucht, inwieweit sich Kinder (Mitte der Grundschuljahre), deren Leistungsmuster einer Rechenstörung entspricht (niedrige Rechenleistung und Diskrepanz zwischen Rechenleistung und Intelligenz), von Kindern unterscheiden, die ähnlich niedrige Rechenleistungen zeigen, ohne dass das Diskrepanzkriterium erfüllt wäre (hier als Rechenschwäche bezeichnet). Weil sich beide Gruppen im Niveau kognitiver Leistungsfähigkeit unterscheiden, wurden zusätzlich zwei Kontrollgruppen untersucht, die durchschnittliche Rechenleistungen zeigen. Dieses Untersuchungsdesign ermöglichte es, die Einflüsse der Intelligenz und der Rechenleistung auf die im Projekt interessierenden Variablen getrennt zu untersuchen. Systematische Unterschiede zwischen den Probandengruppen „Rechenstörung“ und „Rechenschwäche“, die nicht auf Einflüsse der allgemeinen kognitiven Fähigkeiten zurückführbar sind, können als spezifisches Merkmal der Rechenstörung interpretiert werden. Im Projekt wurden verschiedene Variablen auf eine solche Besonderheit hin untersucht: Zahlenkonzept, Wissen über grundlegende arithmetische Fakten, fortgeschrittenes Rechnen, Verarbeitung bei Sachaufgaben, Behalten im Arbeitsgedächtnis und Aufbau arithmetischen Faktenwissens.

Es wurden vor allem Daten zum basalen arithmetischen Faktenwissen und zum Arbeitsgedächtnis ausgewertet. Es zeigte sich, dass die Intelligenz mit Arbeitsgedächtnisleistungen zusammenhängt (allerdings nur im visuell-räumlichen Bereich, nicht im zentral-exekutiven oder verbalen). Die Gruppen besser oder schlechter rechnender Kinder unterschieden sich nicht in ihren Arbeitsgedächtnisleistungen. Das basale arithmetische Faktenwissen war bei den besser rechnenden Kindern deutlich stärker ausgebildet als bei schlechter rechnenden. Die Intelligenz dagegen zeigte keinen Einfluss auf das Faktenwissen. Hinweise auf spezifische Besonderheiten der Kinder der Gruppe „Rechenstörung“ im Vergleich zur Gruppe „Rechenschwäche“ zeigten sich in den bisherigen Analysen nicht.

Weitere Informationen unter:       
2. Phase des Projekts
http://www.uni-oldenburg.de/paedagogik/