Interview mit Rudi Ullrich, Leiter des Zentrums für Barrierefreiheit der Deutschen Blindenstudienanstalt (blista)


1. Herr Ullrich, was ist Ihre persönliche Motivation, sich mit Fragen der inklusiven Bildung zu beschäftigen?
Als von Geburt an stark sehbehinderter Mensch, beschäftige ich mich praktisch tagtäglich in meinen bisher 60 Lebensjahren mit der Frage von Inklusion und Bildung. Ich habe sowohl die inklusive Beschulung als auch die Förderung an einer speziellen Schule kennengelernt und musste mich nicht zuletzt nach meinem Studium im Berufsalltag permanent weiterbilden. Außerdem spielt inklusive Bildung sowohl in meinen ehrenamtlichen als auch beruflichen Aufgaben eine zentrale Rolle.

2. Wenn Sie an Ihren Arbeitsalltag denken, wo sehen Sie die größten Herausforderungen für inklusive Bildung im Kontext von allgemeinen Weiterbildungsangeboten?
Dass die Zahl von Menschen mit Seheinschränkung, die an allgemeinen Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen relativ klein ist und gleichzeitig die Bedarfe bezüglich barrierefreier Lernmaterialien und die damit verbundenen Kosten relativ hoch sind. Dies kann sowohl für Anbieter als auch für potentielle Teilnehmende abschreckend wirken.

3. Was können die Forschenden durch die Zusammenarbeit mit Ihrer Einrichtung in Bezug auf inklusive Weiterbildungsangebote lernen? Haben Sie konkrete Anregungen und Wünsche hinsichtlich der Inklusion in Ihrem Arbeitsalltag?
Sie können ganz praktisch sehen, wie das gemeinsame Lernen von Menschen mit und ohne Seheinschränkung im Alltag funktionieren kann und wie barrierefreie Lernmaterialien erstellt werden.

4. Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung, um inklusive Bildung in allgemeinen Weiterbildungsangeboten umzusetzen?
Zentral für Menschen mit Seheinschränkung sind die Verfügbarkeit von barrierefreien Lernmaterialien, die Fähigkeit und Bereitschaft der Lehrenden sich auf die besonderen Bedarfe einzustellen und die Erreichbarkeit der Bildungseinrichtungen und die Orientierungshilfen vor Ort. Die Erfahrungen mit Onlineangeboten können hier eine Hilfe sein. Allerdings hat die Volkshochschule einen nicht zu unterschätzenden sozialen Aspekt, der nicht durch reine Onlineangebote verloren gehen darf.

5. Und was war bislang das größte Erfolgserlebnis, das Sie im Kontext inklusiver Weiterbildungsangebot erlebt haben?
Dass es engagierte Lehrende und Mitlernende gibt, die intuitiv die richtigen Tipps geben und Fragen stellen.

Rudi Ullrich sitzt am Schreibtisch

Copyright: Privat

Zur Person: Rudi Ullrich ist Ehrenmitglied des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands e. V. und Leiter des Zentrums für Barrierefreiheit der Deutschen Blindenstudienanstalt e. V. (blista).

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