Dyskalkulie im Grundschulalter – Entwicklung und Evaluation eines arbeitsgedächtnisgestützten Diagnoseinstruments sowie integrativen Trainingsprogramms (1. Phase)


Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Institut für Psychologie

Lehrstuhl für Statistik und Methoden

Fliednerstr. 21

48149 Münster

Projektleiter: Prof. Dr. Heinz Holling

Förderkennzeichen: 01 GJ 1006

Förderbetrag: 278.198 EUR

Laufzeit: 01.12.2010 – 30.11.2013


Als Dyskalkulie (Rechenstörung) bezeichnet man ausgeprägte Schwierigkeiten beim Erwerb grundlegender Rechenfertigkeiten, die nicht auf eine Intelligenzminderung oder mangelnde Beschulung zurückführbar sind. Es existieren bisher kaum evaluierte Fördermaßnahmen für Grundschüler mit Dyskalkulie. Selten werden rechenunspezifische kognitive Defizite (zum Beispiel Arbeitsgedächtnis) bei Diagnostik und Fördermaßnahmen berücksichtigt. Außerdem liegen erst wenige Langzeitstudien zur Entwicklung mathematischer Kompetenzen bei Schülern mit einer Dyskalkulie vor.

In diesem Vorhaben wurde erstens ein computerbasierter Test zur Dyskalkuliediagnostik bei Grundschülern und Grundschülerinnen der 2. bis 4. Klasse entwickelt. Der Test zielt auf Bereiche ab, die bei Dyskalkulie typischerweise beeinträchtigt sind: basisnumerische Fertigkeiten, curriculumsbasierte Rechenfertigkeiten und das visuell-räumliche Arbeitsgedächtnis. Bei der Diagnostik interessiert neben der Lösungsgüte auch die Bearbeitungsgeschwindigkeit, die wichtige Hinweise auf grundlegende Verarbeitungsdefizite oder ineffiziente Lösungsstrategien geben kann. Zweitens wurde ein computerbasiertes Training entwickelt. Dieses fördert gezielt basisnumerische Fertigkeiten, curriculumsbasierte Rechenfertigkeiten sowie relevante Arbeitsgedächtnisbereiche. Das Training passt sich in seinem Schwierigkeitsgrad dem trainierenden Kind automatisch an und umfasst sieben Trainingsmodule. Drittens werden die Wirksamkeit des Trainings sowie die Stabilität von Trainingseffekten in einer Langzeitstudie untersucht. Dazu werden ein Vortest sowie drei Nachmessungen (unmittelbar sowie drei beziehungsweise neun Monate nach Trainingsende) durchgeführt. Zudem wird vor und nach dem Training mit bildgebenden Verfahren (Magnetoenzephalographie, MEG) sowie Reaktionszeitanalysen überprüft, welche kognitiven Prozesse potenziellen Trainingsgewinnen zugrunde liegen. Die Trainingsevaluation verwendet ein Experimental- Kontrollgruppen-Design.

Der CODY-Test wurde an 298 Kindern erprobt und danach an circa 1000 Kindern normiert. Testtheoretische Analysen ergaben eine hohe Testgüte. Zukünftig soll der CODY-Test in der schulischen Praxis für das Dyskalkuliescreening eingesetzt werden. Das CODY-Training wurde in einer Pilotstudie drei Wochen lang mit Schülern erprobt. Die Trainingszeit betrug täglich zwanzig Minuten. Es zeigten sich deutliche Verbesserungen curriculumsbasierter Rechenfertigkeiten. Das Training wurde anschließen in einer Langzeitstudie mit mehreren Trainingsgruppen evaluiert. Test und Training wurden nach Ende der ersten Förderphase öffentlich verbreitet, um der hohen Nachfrage von Eltern, Schulen, Psychologen und Psychologinnen und Lerntherapeuten und Lerntherapeutinnen gerecht zu werden.

Weitere Informationen unter:
www.uni-muenster.de/CODY
2. Phase des Projekts
http://www.uni-muenster.de/PsyIFP/AEHolling/de/