Peer-gestützte Präventionsmaßnahmen zur Förderung mathematischer Basiskompetenzen (Verbundvorhaben)


Verbundpartner:
Sekundärpräventiver Teil: Prof. Dr. Marco Ennemoser
Primärpräventiver Teil: Prof. Dr. Kristin Krajewski

Justus-Liebig-Universität Gießen

Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft

Otto-Behaghel-Str. 10, Haus F

35394 Gießen

Verbundkoordinator: Prof. Dr. Marco Ennemoser

Förderkennzeichen: 01 GJ 1005 A

Förderbetrag: 197.925 EUR

Laufzeit: 01.09.2010 – 31.08.2013


Justus-Liebig-Universität Gießen

Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft

Otto-Behaghel-Str. 10, Haus F

35394 Gießen

Projektleiterin: Prof. Dr. Kristin Krajewski

Förderkennzeichen: 01 GJ 1005 B

Förderbetrag: 267.993 EUR

Laufzeit: 01.09.2010 – 31.10.2013


Die internationale Forschung liefert konsistente Belege dafür, dass Mengen-Zahlen-Kompetenzen, wenn sie im Vorschulalter erhoben werden, die späteren Mathematikleistungen in der Grundschulzeit zuverlässig vorhersagen. Zudem liegen Befunde vor, wonach Defizite rechenschwacher Grundschüler im Wesentlichen auf Problemen im Bereich dieser grundlegenden Mengen-Zahlen-Kompetenzen basieren. Da eine geeignete Förderung dieser Kompetenzen als guter Ansatzpunkt für wirksame Maßnahmen zur Vermeidung von Rechenschwierigkeiten gesehen wird, wurden in den vergangenen Jahren Programme entwickelt, die mehr oder weniger explizit auf eine Förderung entsprechender Basiskompetenzen abzielen. Das Förderprogramm „Mengen, zählen, Zahlen“ (MZZ) wurde konzipiert, um Lücken in der Entwicklung von Vorläuferfertigkeiten systematisch zu schließen. Wie mehrere Langzeitstudien zeigen, kann es sowohl im Kindergarten als auch in der Schule erfolgreich eingesetzt werden, um mathematische Fähigkeiten langfristig zu fördern und einer Rechenschwäche vorzubeugen. Über den optimalen Zeitpunkt der Präventionsmaßnahme (Kindergarten, Schulanfang) herrscht demgegenüber noch Unklarheit.

Das MZZ-Programm wird in Kleingruppen durchgeführt und stellt somit im Kindergarten- und Schulalltag eine gewisse Anforderung an Personalressourcen. Eine vielversprechende Möglichkeit, wie man in verschiedenen Inhaltsbereichen leistungsschwächere Kinder gezielt fördern kann, ohne notwendigerweise eine Förderung in Kleingruppen realisieren zu müssen, stellen Ansätze peer-gestützten Lernens dar. Hierbei werden Lernpaare aus einem stärkeren und einem schwächeren Schüler gebildet. Die Kinder nehmen im Wechsel die Lehrer- und Schülerrolle ein und unterstützen sich bei der Bearbeitung ihrer Aufgaben. Die Effektivität dieser Ansätze konnte unter anderem durch Metaanalysen belegt werden.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens wurde der Frage nachgegangen, zu welchem Zeitpunkt (kurz vor oder nach Schuleintritt) und unter welchen instruktionalen Rahmenbedingungen (Anleitung durch Erzieher/Lehrer oder Lernen mit Gleichaltrigen) Maßnahmen zur Vermeidung von Rechenschwierigkeiten optimalerweise stattfinden sollten. Dabei wurde zunächst überprüft, inwiefern sich Fördermaßnahmen im Kindergarten im Vergleich zur Förderung unmittelbar nach Schuleintritt als unterschiedlich wirksam erweisen. Es wurde untersucht, inwieweit sich das Potenzial der Förderung von numerischen Basiskompetenzen mit dem MZZ-Programm (in der Standardversion durch Erzieher/Lehrer angeleitet) durch die Kombination mit dem Ansatz des peer-gestützten Lernens (Lernen mit gleichaltrigem Partner) weiter optimieren lässt. Zu beiden Förderzeitpunkten und für beide Trainingsvarianten sollte überprüft werden, inwiefern die Effektivität der Förderung auch von Drittvariablen (z. B. Ausgangslage vor der Förderung, Gedächtnisfähigkeiten, Bildungshintergrund der Familie) abhängt. Um diese Fragen beantworten zu können, wurde eine Langzeitstudie mit circa 730 Kindern durchgeführt, welche sich zu Beginn der Studie im letzten Kindergartenjahr befanden und fünf verschiedenen Gruppen zugewiesen wurden. Zwei Gruppen mit je circa 130 Kindern erhielten im letzten halben Jahr vor Schuleintritt eine im Kindergartenalltag durchgeführte Förderung mathematischer Basiskompetenzen mit dem Förderprogramm „Mengen, zählen, Zahlen“ (MZZ). Dieses wurde entweder nach Standardinstruktion (Gruppe 1) oder über den Ansatz des peer-gestützten Lernens (Gruppe 2) eingesetzt. Zwei weitere Gruppen mit je 120 Kindern erhielten diese Förderung erst nach Schuleintritt als unterrichtsintegrierte Förderung (Gruppen 3 und 4). Die verbleibenden 230 Kinder bildeten die Kontrollgruppe (Gruppe 5). Um Fördereffekte erfassen zu können, wurden die Kinder sowohl im Vorschuljahr als auch in der ersten Klasse jeweils unmittelbar vor und nach der Förderung untersucht. Zur Analyse langfristiger Fördereffekte werden die Leistungsentwicklungen der Kinder bis zur ersten bzw. zweiten Klasse verfolgt.

Es liegen Analysen zu kurz- und langfristigen Fördereffekten im Vorschuljahr vor. Kurzfristig legten die Kinder der beiden Fördergruppen in ihrer mathematischen Kompetenzentwicklung stärker zu als die Kinder der Kontrollgruppe. Zudem fand sich ein Vorsprung für die Kinder der peer-gestützten Förderung gegenüber den Kindern, die das durch Erzieher angeleitete Standardtraining erhalten hatten. Allerdings ergaben sich unterschiedliche Befunde für Jungen und Mädchen. Während Jungen nur von der peer-gestützten Förderung profitieren konnten, schnitten Mädchen in beiden Trainingsvarianten besser ab als die Kontrollgruppe. Im Gegensatz zu den Jungen konnten die Mädchen in der Standardversion des Trainings die größten Zugewinne erzielen. Acht Wochen nach Trainingsende waren für beide Fördergruppen vergleichbare Vorteile gegenüber der Kontrollgruppe zu beobachten. Nach weiteren acht Wochen konnten schließlich nur noch für das Standardtraining Vorteile gegenüber der Kontrollgruppe festgestellt werden. Auch ein Transfereffekt auf basale Rechenfertigkeiten, die zu diesem Zeitpunkt (1. Klasse) erhoben wurden, konnte nur für das Standardtraining gefunden werden. Schließlich konnte nachgewiesen werden, dass der Fördererfolg eines Kindes weder von seinen Gedächtnisfähigkeiten noch substanziell von seinem Sprachverständnis abhing.

Weitere Informationen unter:
http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb06/psychologie