Schulbezogene Umschriebene Entwicklungsstörungen (SCHUES) – Prävention und Therapie unter Einbezug neuronaler Korrelate und des Entwicklungsverlaufs (1. Phase)


Universität Potsdam

Exzellenzbereich Kognitionswissenschaften

Klinische Psychologie/Psychotherapie

Karl-Liebknecht-Str. 24-25

14469 Potsdam

Projektleiter: Prof. Dr. Günter Esser/ Prof. Dr. Michael von Aster

Förderkennzeichen: 01 GJ 1011

Förderbetrag: 962.421 EUR

Laufzeit: 01.10.2010 – 30.09.2013


Kinder mit Lese- und Rechtschreib- sowie Rechenstörungen sind in ihrer Bildungs- und Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig belastet. Einer frühen Erkennung von gefährdeten Kindern und einer spezifischen Förderung von Vorläuferfertigkeiten kommt daher eine hohe Bedeutung zu. Bisher liegen kaum Studien mit Kontrollgruppendesign zur Evidenz von Therapiemethoden bei Dyskalkulie vor. Weiterhin existieren nur sehr wenige Studien, welche die neuronalen Korrelate der Dyskalkulie untersucht haben, und keine zum Langzeitverlauf.

Das Vorhaben besteht aus drei Teilprojekten.
Die Ziele des Teilprojektes A bestanden darin,

 

  1. effektive diagnostische Instrumente zur Früherfassung gefährdeter Kinder bereits im Kindergartenalter zu optimieren bzw. weiterzuentwickeln und diese an einer großen, unausgelesenen Stichprobe zu normieren,
  2. die Effektivität von Präventionsmaßnahmen im Kindergarten, die gezielt mit Risikokindern (d. h. Kindern mit Defiziten in den Vorläuferfähigkeiten) durchgeführt werden, zu evaluieren,
  3. Aussagen zur kurzfristigen schulischen Entwicklung im Kindergartenalter identifizierter Risikokinder zu treffen und
  4. neue Erkenntnisse zum Langzeitverlauf von Rechenstörungen zu gewinnen.

Das Teilprojekt B befasste sich mit der Evaluation des computerisierten Trainings „Calcularis“. Dies erfolgte anhand eines Kontrollgruppendesigns, wobei die Effekte des spezifischen Rechentrainings mit einem unspezifischen Rechtschreibtraining und einer Wartegruppe bei Kindern mit und ohne Dyskalkulie verglichen wurden.

Das Teilprojekt C setzte den Schwerpunkt auf die neuronalen Korrelate der Dyskalkulie, welche mittels Magnetresonanz-Tomografie im Querschnittsvergleich zwischen Kindern mit und ohne Dyskalkulie und im Langzeitverlauf untersucht wurden. Dabei wurden nicht nur die Hirnfunktionen während der Zahlenverarbeitung gemessen, sondern auch Unterschiede in den Faserverbindungen mittels „Diffusion Tensor Imaging“ (DTI).

Im Teil A wurde eine umfangreiche Testbatterie zur Untersuchung der prognoserelevanten Vorläuferfertigkeiten erstellt und normiert. Die Rückmeldungen der durchführenden Erziehern und Erzieherinnen zu den Präventionsprogrammen waren positiv. Die Auswirkungen der Prävention auf die Schulleistungen wurden 2013 untersucht. In Teil B wiesen erste Resultate des Trainings „Calcularis“ auf eine Verbesserung der Rechenleistung sowie eine Verringerung der mathematikbezogenen Angst gegenüber unbehandelten Kindern hin. Im ersten Quartal 2013 erfolgte die Auswertung des Drei-Monats-Verlaufs. In Teil C konnten klare Defizite in den Faserverbindungen im Gehirn von Kindern mit Dyskalkulie gezeigt und Daten zur neuronalen Entwicklung erhoben werden. Zudem wurde erstmals nachgewiesen, dass Kinder mit Dyskalkulie weniger stark spontan auf Anzahligkeiten achten.

Weitere Informationen unter:
2. Phase des Projekts
http://www.uni-potsdam.de/humfak/hum-exzellenzbereich.html