Selbstwirksamkeitserwartung bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund (Verbundvorhaben)


Differenzielle Erwerbsformen, diagnostische Fähigkeiten der Lehrkräfte und Bedeutung für die Leistungsentwicklung

Technische Universität Dortmund

Institut für Schulentwicklungsforschung

August-Schmidt-Str. 4

44227 Dortmund

Verbundkoordinatorin: Prof. Dr. Nele Mc Elvany

Förderkennzeichen: 01JC1118A

Förderbetrag: 415.493 EUR

Laufzeit: 01.11.2011–31.03.2015


Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Olshausenstr. 62

24105 Kiel

Projektleiter: Prof. Dr. Olaf Köller

Förderkennzeichen: 01JC1118B

Förderbetrag: 166.956 EUR

Laufzeit: 01.11.2011–31.10.2014


Folgende Forschungsfragen wurden im Projekt gestellt:

  • Unterscheiden sich Selbstwirksamkeitsüberzeugungen zwischen verschiedenen Schülergruppen mit und ohne Migrationshintergrund? Und wenn ja, welche Gründe lassen sich dafür finden?
  • Welche diagnostischen Kompetenzen zeigen Lehrkräfte hinsichtlich der Selbstwirksamkeitsüberzeugungen der Schülerinnen und Schüler?

Um diese zu beantworten, wurden mittels standardisierter Fragebögen 1.597 Schülerinnen und Schüler der 7. Jahrgangsstufe an Hauptschulen (441), Gesamtschulen (456) und Gymnasien (700) befragt. Mit den Daten konnten allgemein bildungsbezogene, mathematikbezogene und lesebezogene Selbstwirksamkeitsüberzeugungen von deutschen, türkischen und ehemals sowjetischen Schülergruppen verglichen werden. Außerdem wurden die Sichtweisen von 192 Lehrkräften erhoben.

Bisherige Forschungen zur Selbstwirksamkeitsüberzeugung von Schülerinnen und Schülern zeigten wiederholt, dass sie die schulische Leistung beeinflusst. Dies gilt für alle Fächer und über alle Altersstufen hinweg. Außerdem ging man bislang davon aus, dass Kinder mit Migrationshintergrund in stärkerem Maße von ihrer Selbstwirksamkeitsüberzeugung profitieren als Kinder ohne Migrationshintergrund. Diese Gruppenunterschiede werden durch die Befunde des Projekts nur bedingt bestätigt.

Insgesamt verfügen Schülerinnen und Schüler an Gymnasien über eine deutlich ausgeprägtere allgemein bildungsbezogene, mathematikbezogene und lesebezogene Selbstwirksamkeitsüberzeugung als diejenigen an Bildungseinrichtungen, die zu einem Hauptschulabschluss führen. Auch zwischen den Herkunftsgruppen zeigen sich Unterschiede. Deutsche Kinder erzielen durchschnittlich die höchsten Werte bei allen drei Arten von  Selbstwirksamkeitsüberzeugungen

Ehemals sowjetische und türkische Schülerinnen und Schüler zeichnen sich durch geringere Selbstwirksamkeitsüberzeugungen aus, wobei eine Rangfolge zwischen ihnen nicht eindeutig ausgemacht werden kann.

Die Selbstwirksamkeitsüberzeugung von Kindern und Jugendlichen wird von verschiedenen Quellen beeinflusst. Diese Quellen unterscheiden sich bei den unter- schiedlichen Herkunftsgruppen deutlich. Für ehemals sowjetische Schülerinnen und Schüler ist die Familie weitaus wichtiger als für diejenigen ohne oder mit türkischem Migrationshintergrund. Türkischstämmige Kinder profitieren hingegen besonders von Einflüssen aus der Schule, für deutsche Kinder sind Schule und Familie gleichermaßen bedeutsam.

Lehrkräfte müssen die fach- und bildungsbezogene Selbstwirksamkeitsüberzeugung ihrer Schülerinnen und Schüler angemessen beurteilen können, um diese adäquat zu fördern. Allerdings schätzen sie die Selbstwahrnehmung ihrer Schülerinnen und Schüler vor allem in Bezug auf ihre allgemein bildungsbezogene Selbstwirksamkeitsüberzeugung oftmals nicht korrekt ein. Auch die mathematischen Selbstwirksamkeitsüberzeugungen werden häufig  unterschätzt.

Selbstwirksamkeitsüberzeugungen bilden sich auf unterschiedlichen Wegen heraus. Ihre Entwicklung wird sowohl von Eltern als auch von Lehrkräften und Freunden – auf deren jeweils eigene Weise – unterstützt. Diese Unterschiede zu kennen, ist für die Praxis bedeutsam, denn Selbstwirksamkeitsüberzeugungen beeinflussen, welcher Bildungsabschluss von Schülerinnen und Schülern angestrebt wird und wie groß die Motivation ist, inhaltliche und berufliche Interessen  zu verfolgen. Das Geschlecht, der sozioökonomische Hintergrund oder die Leistungen in Mathematik sind vergleichsweise von geringerer Bedeutung.

Im schulischen Kontext beeinflussen vor allem Lehrkräfte die Entwicklung von Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, deshalb ist es wichtig, dass sie ihre Schülerinnen und Schüler diesbezüglich adäquat einschätzen. Folglich sollte Grundlagenwissen über Selbstwirksamkeitsüberzeugungen und deren motivationale Aspekte in der Aus- und Fortbildung vermittelt werden. Denn so könnten Selbstwirksamkeitsüberzeugungen im Unterricht gefördert und die Leistung und das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler gesteigert werden.

Weitere Informationen unter
http://www.ifs.tu-dortmund.de/cms/de/home/
http://www.ipn.uni-kiel.de/de