familY: Eltern bilden - Kinder stärken: Die formative Evaluation eines Elternqualifizierungsansatzes


Pädagogische Hochschule Heidelberg

Institut für Erziehungswissenschaft (IfE)

Keplerstr. 87

69120 Heidelberg

Projektleiterin: Dipl. Vw. Susanne Frank M.A.

Förderkennzeichen: 01JC1125

Förderbetrag: 189.496 EUR

Laufzeit: 01.11.2011–31.10.2014


Folgende Forschungsfragen wurden im Projekt bearbeitet:

  • Gelingt es durch das Elternbildungsprogramm „familY“, Eltern – auch in prekären Lebenssituationen – zu erreichen und zu einer aktiven Teilnahme zu motivieren?
  • Wie wird das Programm durch die Teilnehmenden wahrgenommen und bewertet?
  • Lässt sich durch das Elternprogramm die Qualität elterlicher Unterstützung beim häuslichen Lernen steigern?

Das Elternqualifizierungsprogramm „familY“ zielt auf die Unterstützung von Eltern aus sozial und ökonomisch benachteiligten Verhältnissen während der Einschulung ihrer Kinder ab. Es unterscheidet sich von anderen Elternqualifizierungsprogrammen dahin gehend, dass es kein Erziehungstraining ist, sondern bildungsbezogene Einstellungen beeinflussen will.

Zwei Forschungsprojekte evaluierten das Programm unabhängig voneinander. In der formativen Evaluation wurde nach der Struktur- und Prozessqualität gefragt – denn sie trägt maßgeblich dazu bei, wie groß die Teilnahmemotivation von Eltern ist. Untersucht wurde beispielsweise, ob das Angebot zeitlich und räumlich auf die Bedarfe der Teilnehmenden abgestimmt ist und ob die Trainingsinhalte verständlich vermittelt werden. Hierfür wurden 37 qualitative Interviews mit Kurs- leitenden, teilnehmenden Eltern und Eltern, die ihre Teilnahme abgebrochen haben, geführt.

Die summative Evaluation beleuchtete, wer mit dem Programm erreicht wurde, wie zufrieden teilnehmende Eltern mit dem Programm sind und ob sich eine Veränderung in den (selbst berichteten) Kenntnissen, Einstellungen und Verhaltensweisen der Teilnehmenden nachweisen lässt. Methodisch wurden dazu quantitative Fragenbogenerhebungen mit insgesamt 28 Eltern zu vier Zeitpunkten durchgeführt: vor Programmstart(Prä-Test), beim Programmende (Post-Test) sowie drei und zwölf Monate nach Programmende (Follow-up- Tests). Die Ergebnisse der Teilnehmenden wurden mit Ergebnissen von 56 Eltern verglichen, die nicht am Programm teilnahmen.

Die Mehrheit der Eltern bewertet das Elternqualifizierungsprogramm als gut bis sehr gut. Die bewusst „niedrigschwellige“ Ansprache wird von den Teil- nehmenden positiv wahrgenommen: Sie schätzen ins- besondere die angebotene Kinderbetreuung, die gute Erreichbarkeit der Trainingsorte, die Gruppenarbeiten und die mehrsprachigen Flyer und Materialien. Mit Blick auf das Ziel, etwaige Hemmungen gerade auf Seiten sozial benachteiligter und/oder Migrantenfamilien abzubauen, sind zwei weitere Beobachtungen herauszustellen. Zum einen gelingt es den geschulten Kursleitenden gut, Vertrauensbeziehungen zu den Teil- nehmenden aufzubauen und ein offen-produktives Arbeitsklima herzustellen. Zum anderen empfinden sozial benachteiligte Eltern es als besonders hilfreich, dass in den Trainingseinheiten auch angstbesetzte Haltungen zur Schule thematisiert werden. Hierdurch steigert sich ihre „Durchhaltemotivation“ und ihre Bereitschaft, sich mit Zielen des Programms zu identifizieren.

Teilweise scheint es Eltern mit niedrigen Bildungsabschlüssen aber schwerzufallen, sich mit abstrakten Inhalten zu beschäftigen und bei strukturierten Gruppenarbeiten mitzuwirken. Dies könnte erklären, warum sich bei den Teilnehmenden keine nachhaltigen Wirkungen des Elternqualifizierungsprogramms feststellen lassen, obwohl sie es durchgängig positiv bewerten. Allerdings ist dieser Befund schon wegen der vergleichsweise geringen Fallzahlen mit Vorsicht zu interpretieren. Hinzu kommt, dass die Trainingsinhalte auf eine spezifische Zielgruppe ausgerichtet waren, aber letztlich Eltern teilnahmen, die sich in ethnischer und sozialer Hinsicht stark unterschieden.

Die Projektergebnisse liefern eine Reihe wichtiger Hinweise, wie Elternqualifizierungsprogramme konzeptuell weiterentwickelt werden können. Um gerade auch Eltern mit niedrigen Bildungsabschlüssen und/ oder  Migrationshintergrund  mitzunehmen, sollte das schriftliche Material sprachlich vereinfacht und möglichst durch andere (zum Beispiel audiovisuelle) Formate ersetzt werden. Hierbei ist zu beachten, dass sich manche Konzepte oder Begriffe nicht umstandslos übersetzen lassen beziehungsweise je nach Herkunftssprache mit anderen Bedeutungen unterlegt sind. Des Weiteren sollten die Kursleitenden den Unterricht auf die einzelnen Teilnehmenden und ihre individuelle Selbstregulationskompetenz zuschneiden. Eltern, deren Unterstützungsbedarf nicht mit präventiven Elternqualifizierungsprogrammen abgedeckt wird, sollten außerdem zusätzliche Informationsangebote erhalten und gegebenenfalls an anderweitige Anlaufstellen vermittelt werden.

Jenseits dieser konkreten Empfehlungen werfen die gewonnenen Erkenntnisse eine grundlegende sozial- politische Frage auf: Ist es sinnvoller, „adressaten- gerechte“ Trainingskonzepte für jeweils spezifische Zielgruppen mit mutmaßlich ähnlichen Bedarfen zu entwickeln? Oder sollten Familienbildungsprogramme bewusst darauf abzielen, Eltern mit unterschiedlichen soziokulturellen Hintergründen einzubinden? Programme für heterogene Teilnehmende bieten die Chance, der beobachtbaren Entsolidarisierung unter Eltern entgegenzuwirken. Solche Programme sind konzeptuell jedoch anspruchsvoller. Kursleitende müssten auf variierende (aber nicht durchgängig verbalisierte) Bedarfe und Erwartungen vorbereitet werden. Außerdem sollten sie über Techniken verfügen, wie sie mit unterschiedlichen sprachlichen, intellektuellen und anderweitigen Eingangsvoraussetzungen umgehen. Parallel sollten Trainingsmaterialien entwickelt werden, die es ermöglichen, Inhalte auf verschiedenen Komplexitätsstufen in parallelen Kleingruppen zu bearbeiten.

Weitere Informationen unter
http://www.ph-heidelberg.de/institut-fuer-erziehungswissenschaft/ueber-uns.html