KoLepP – Kooperation von Lehrkräften und pädagogischem Personal an Ganztagsschulen und die Gestaltung von Förderangeboten und der Übergangsempfehlung


Teilprojekt A und B

Universität Rostock

Philosophische Fakultät

Department für Bildungswissenschaft

Institut für Schulpädagogik

18051 Rostock

Verbundkoordinator: Prof. Dr. Falk Radisch

Förderkennzeichen: 01JC1120A

Förderbetrag: 141.986 EUR

Laufzeit: 01.02.2012–30.06.2014


Bergische Universität Wuppertal

Institut für Bildungsforschung in der School of Education

Gaußstr. 20

42119 Wuppertal

Projektleiterin: Prof. Dr. Karin Fussangel

Förderkennzeichen: 01JC1120B

Förderbetrag: 142.998 EUR

Laufzeit: 01.02.2012–31.05.2014


Folgende Forschungsfragen wurden im Vorhaben gestellt:

  • Kooperieren Lehrkräfte und das pädagogische Personal an Ganztagsgrundschulen, um Übergangsempfehlungen für die Schülerinnen und Schüler zu erstellen und Fördermaßnahmen zu konzipieren?
  • Welche Faktoren beeinflussen die Übergangsempfehlung für die weiterführende Schulform?
  • Und sind diese Übergangsempfehlungen gerechter, wenn Lehrkräfte und das pädagogische Personal die Kinder gemeinsam intensiv fördern?

Um diesen Forschungsfragen nachzugehen, wurden zehn Lehrkräfte und acht Personen des pädagogischen Personals an Grundschulen in Nordrhein-Westfalen qualitativ befragt. Darüber hinaus wurden quantitative Fragebogenerhebungen an offenen Ganztagsschulen durchgeführt. Zum ersten Messzeitpunkt wurden dabei 28 Schulen, zum zweiten Messzeitpunkt 42 Schulen befragt.

Lehrkräfte empfinden die Entscheidung, für welchen Schulzweig sie ihre Schülerinnen und Schüler vorschlagen sollen, oftmals als schwierig und belastend. Wenn sie die Empfehlungen gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften erarbeiten, die die Kinder ebenfalls gut kennen, erhöht dies ihr subjektives Empfinden, eine richtige Empfehlung gegeben zu haben. Allerdings scheinen solche Absprachen zwischen Lehrkräften und dem pädagogischen Personal eher selten stattzufinden. In stärkerem Maße unterstützend wird der Austausch mit dem Kollegium und den Eltern wahrgenommen.

Generell sehen es sowohl Lehrkräfte als auch das pädagogische Personal als Aufgabe der Lehrkräfte an, Übergangsempfehlungen auszusprechen.

Noch seltener kooperieren Lehrkräfte und das pädagogische Personal, wenn es darum geht, Förderangebote zu konzipieren. Hierbei unterstützen sich auch die Lehrkräfte untereinander eher wenig. Allerdings fließen die Bedürfnisse und Wünsche der Schülerinnen und Schüler, die die Lehrkräfte in Gesprächen erfragen, mit in die Konzeption ein. Bei der Durchführung der Förderangebote gibt es eine klare Aufgabenteilung: Während Lehrkräfte und das pädagogische Personal die fachliche Förderung gleichermaßen übernehmen, ist die soziale Förderung vorwiegend in der Verantwortung des pädagogischen Personals.

Die Empfehlungen für die weiterführende Schule basieren überwiegend auf den Noten der Schülerinnen und Schüler. Mathematische Leistungstests sind ebenfalls einflussreich, allerdings in begrenzterem Umfang. Die leistungsstärksten Kinder erhalten entsprechend oft die Empfehlung, ein Gymnasium zu besuchen. Bei den Kindern mit mittleren oder schwachen Leistungen sind die Zusammenhänge weniger eindeutig: In den beiden Gruppen bekommen die Schülerinnen und Schüler ähnlich oft eine Empfehlung für die Hauptschule.

Besonders interessant ist die Frage, ob die Schulempfehlungen für Kinder aus benachteiligten Familien in besonderem Maße ihren Leistungen entsprechen, wenn Lehrkräfte und das pädagogische Personal kooperieren. Generell sind es bei Kindern aus benachteiligten Familien ebenfalls die Schulleistungen, die die Übergangsempfehlungen maßgeblich beeinflussen. Allerdings lassen sich auch – vergleichsweise schwächere – Einflüsse der sozialen Herkunft nachweisen. Paradoxerweise verstärken sich diese Effekte sogar leicht an Ganztagsgrundschulen, an denen Lehrkräfte und pädagogisches Personal zusammenarbeiten. Insbesondere bei der Gymnasialempfehlung scheinen Kinder aus sozial schwächeren Verhältnissen benachteiligt zu werden, denn sie bekommen seltener eine Empfehlung für den gymnasialen Zweig. Das bedeutet, dass Übergangsempfehlungen nicht gerechter sind, wenn die unterschiedlichen Professionen gemeinsam fördern. Soziale Herkunftsmerkmale spielen dann sogar vergleichsweise eine größere Rolle.

Generell zeigt sich, dass Lehrkräfte und das pädagogische Personal bislang an Ganztagsgrundschulen wenig kooperieren, um Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern. Vielmehr lässt sich eine „Feuerwehr- Mentalität“ feststellen – erst dann, wenn es brennt, beginnen gemeinsame Anstrengungen, um Kinder zu fördern. Doch wodurch lässt sich die vergleichsweise schwach ausgeprägte Zusammenarbeit erklären? Kooperationen setzen eine gewisse Autonomie aller beteiligten Akteure voraus. Während Lehrkräfte eine wichtige Bezugsgruppe für das pädagogische Personal sind, scheint dies umgekehrt weitaus weniger der Fall zu sein. Dies führt dazu, dass die Kooperationen nicht auf Augenhöhe stattfinden. Außerdem sind die Arbeitsbereiche von Lehrkräften und pädagogischem Personal aufgrund struktureller Bedingungen einzelner Schulen häufig noch sehr getrennt. Auch dies erschwert die interprofessionelle Zusammenarbeit. Deshalb ist es wichtig, den Unterricht und Ganztagsbetreuungsangebote stärker zu verzahnen und dadurch das pädagogische Personal in seiner Bedeutung aufzuwerten. Nur so können die Bedingungen dafür geschaffen werden, dass die interprofessionelle Zusammenarbeit  gelingt.

Weitere Informationen unter
http://www.isp.uni-rostock.de/schulpaedagogik-und-bildungsforschung/mitarbeiterinnen/steckbriefe/radisch-falk-prof-dr/
http://www.ifb.uni-wuppertal.de/institut/projekte/kolepp.html