Mündliche Wissensprozessierung und -konnektierung (MüWi)


Empirisch basierte linguistische Grundlagenstudie zu schulrelevanten mündlichen Fähigkeiten in den ersten beiden Jahren der Primarstufe

Universität Hamburg

Institut für Germanistik I

Von-Melle-Park 6

20146 Hamburg

Projektleiterin: Prof. Dr. Angelika Redder

Förderkennzeichen: 01GJ0904

Förderbetrag: 350.283,60 EUR

Laufzeit: 01.01.2009–30.04.2012


Die produktive Mündlichkeit von Schülerinnen und Schülern im authentischen Unterrichtsdiskurs wird untersucht und das Konzept der Basisqualifikationen anhand bislang weitgehend ausgeblendeter Qualifikationen als solche und in ihrem Wechselverhältnis (Interrelation) verifiziert. Exemplarische Gegenstände sind Zeigwörter und daraus abgeleitete Konnektoren (dies, da(durch)) für semantische sowie Sprechhandlungen der Wissensbearbeitung (Beschreiben, Erläutern, Erklären) für pragmatische Qualifikationen. Videografien und experimentelle Elizitierungen bilden die Daten.

Es werden transkriptbasierte Fallanalysen sowie, anhand der experimentellen Daten, quer- und längsschnittliche Auswertungen vorgelegt. In einer Qualifikationsmatrix wird die Interrelation der semantischen und pragmatischen Qualifikation individuell in einem linguistischen Kompetenzgitter jahresbezogen verallgemeinert dokumentiert. Die pragmatischen und daran geknüpften diskursiven Qualifikationen erweisen sich als Motor sprachlicher Entfaltung. Das Ziel, funktionale Beschreibungen oder gar Erklärungen zu liefern, stimuliert zum Beispiel eine komplexere und abstraktere Nutzung von Zeigwörtern oder daraus abgeleiteten Konnektoren; umgekehrt verhindert die einfache Nutzung von Zeigwörtern im Wahrnehmungsraum eine differenziertere Sprechhandlung oder Diskursart. Potenziale werden erkennbar. Die produktive Mündlichkeit erweist sich als stark auf Erfahrungsbasierung angewiesen. Das sprachliche Zeigen mittels Deixes bildet in seiner Differenziertheit und seinem Abstraktionspotenzial einen effizienten Ansatzpunkt für Sprachförderung, vor allem auch bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund. Andere Konnektoren treten sparsam ergänzend hinzu. Der Schritt zum abstrakteren Denken wird konkret empirisch linguistisch rekonstruierbar, auch die daran gekoppelte Fortentwicklung zur Erklärfähigkeit.

Für einfache Sprechhandlungen der Wissensbearbeitung setzen Schülerinnen und Schüler ein breites Spektrum an Zeigewörtern (dabei, deshalb, sodass) konnektierend ein. Eine gezielte Nutzung sprachlichen Zeigens in abstrakteren Verweisräumen, vor allem im Rederaum, sowie die Einbringung anderer Konnektoren wie „aber, weil“ erfolgt im Wechsel zu komplexeren Sprechhandlungen oder Diskursarten. Die Kompetenzentwicklung der semantischen und pragmatischen Basisqualifikation besteht in einer Ausbalancierung des Wechselverhältnisses, welche nicht linear, sondern nach der Art eines Mitziehens mal von der einen, mal von der anderen Basisqualifikation aus geschieht. Eine Förderung sollte also eine interrealtionsinterne Ausgewogenheit jenseits isolierter oder linear korrelierender Entfaltungslinien anstreben. Lehrerfortbildungen profitieren bereits jetzt davon.