Bildungskarrieren und soziale Ungleichheit


Eine ländervergleichende Analyse des Einflusses der sozialen Herkunft auf Bildungswege im Hochschulsystem und deren Arbeitsmarktrenditen

Universität Mannheim

Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES)

A5,6

68159 Mannheim

Projektleiterin: Prof. Dr. Marita Jacob

Promovierender: Felix Weiss

Förderkennzeichen: 01JG1069

Förderbetrag: 103.832 EUR

Laufzeit: 01.11.2010 - 30.04.2013


Das Projekt erforscht in zwei Teilfragestellungen den Einfluss der sozialen Herkunft auf verspäteten Bildungserwerb. Zum einen wird untersucht, ob die soziale Herkunft von jungen Erwachsenen eine Rolle bei der Entscheidung spielt, unter bestimmten situativen Bedingungen am Arbeitsmarkt mit der Rückkehr in das tertiäre Bildungssystem zu reagieren. Zum anderen wird in diesem Kontext untersucht, ob die Renditen von Hochschulbildung vom Bildungsweg abhängen. Ausgehend vom stabilen Befund, dass Kinder unterer sozialer Herkunftsgruppen ihre Bildung häufiger auf indirekten Wegen erwerben und damit von der Flexibilität des Bildungssystems Gebrauch machen, erscheint diese Fragestellung wichtig, um zu klären, welche Bedeutung "verspätet" erworbene Bildung für die Vererbung sozialer Positionen über Generationen hinweg hat. Zentral ist die Untersuchung der Rolle institutioneller Randbedingungen für den Ablauf der Prozesse auf der Mikroebene. In einer vergleichenden Analyse zwischen Deutschland, den USA und Schweden wird der Einfluss der sozialen Herkunft auf den Verlauf der postsekundären Bildungskarriere untersucht. Diese beiden Vergleichsfälle wurden herangezogen, da in den gen. Ländern die Strategie einer Öffnung durch Flexibilität insbesondere im Hochschulsystem bereits systematisch verfolgt wird und derzeit vom deutschen System übernommen wird. Um genauere Einblicke in den Entscheidungsprozess auf der Individualebene zu bekommen, werden zudem verfügbare Daten über die Entscheidungsfindung von Hochschulzugangsberechtigten ausgewertet. In einem zweiten Schritt wird die Wirkung von der Norm abweichender Bildungsverläufe auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt betrachtet. Für alle Analysen werden bestehende Längsschnittdatensätze sekundär ausgewertet, die es erlauben, Lebens- und Bildungsverläufe über einen längeren Zeitraum nach Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung zu beobachten und eine vergleichende Messung der sozialen Herkunft ermöglichen. Die bisherigen Datenanalysen zeigen, dass die Wahrnehmung späterer Bildungschancen eher zu einer Verstärkung der sozialen Disparitäten im Bildungssystem führen. Allerdings können die lange anhaltenden Nachteile von Kindern aus nicht privilegierten Elternhäusern relativ gut durch vorangehende Nachteile im sekundären Bildungssystem erklärt werden. Nachteile beim Arbeitsmarkteinstieg durch verzögerte Bildungskarrieren konnten weder für die USA noch für Deutschland gezeigt werden.

Weitere Informationen unter: 
http://www.mzes.uni-mannheim.de/d7/en