Der Erwerb der satzinternen Großschreibung


Pädagogische Hochschule Freiburg

Fakultät für Kulturwissenschaften

Institut für deutsche Sprache und Literatur

Kunzenweg 21

79117 Freiburg

Projektleiter: Prof. Dr. Hans-Werner Huneke

Promovierender: Dirk Betzel

Förderkennzeichen: 01JG1065

Förderbetrag: 136.328 EUR

Laufzeit: 01.11.2010 - 31.10.2013


Die Großschreibung stellt eine der Hauptfehlerquellen in Schülerschreibungen dar. Auffallend große Leistungsgruppenunterschiede existieren bereits in der Grundschule sowie am Ende der Sekundarstufe I. Longitudinale Daten zum Erwerbsprozess verschiedener Leistungsgruppen zu Beginn der Sekundarstufe fehlen bislang. An diesem Desiderat setzt die Studie an. Um Aufschluss über die Erwerbsprozesse verschiedener Leistungsgruppen zu erhalten, wird eine Längsschnittuntersuchung in den Klassenstufen fünf bis sieben durchgeführt. Die Einbeziehung unterschiedlicher Schularten - Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien - hat den Zweck, eine möglichst leistungsheterogene Stichprobe zu generieren, um Leistungsgruppen bilden zu können. Ergänzt wird die Studie durch eine Querschnittuntersuchung in den Klassenstufen acht und neun, ebenfalls unter Berücksichtigung der genannten Schularten. Als Erhebungsinstrumente dienten ein Lückendiktat und ein Pseudowort-Lückendiktat, die jährlich im Abstand von ca. vier Wochen durchgeführt wurden. Da es sich hierbei um keine Zufallsstichprobe handelt, sollte der einmalige Einsatz eines standardisierten Rechtschreibtests sicherstellen, dass durchschnittliche "Rechtschreibklassen" ausgewählt wurden. Zusätzlich werden jährlich Leitfadeninterviews mit Schülerinnen und Schülern jeder Leistungsgruppe des Längsschnitts durchgeführt, um Einblicke in das Verhältnis von Können und Wissen zu erhalten. Die im Lückendiktat getesteten Items werden unter fachlichen und statistischen Gesichtspunkten zu Skalen zusammengefasst. Verschiedene Skalen zur Groß- und Kleinschreibung mit unterschiedlichen Schwierigkeitsmerkmalen stehen so zur differenzierten Auswertung nach Leistungsgruppen zur Verfügung. Die Ergebnisse aus Klassenstufe fünf bestätigen die angenommenen Schwierigkeitsmerkmale zur Großschreibung. Auffällig sind die schulartenübergreifenden Leistungsgruppenunterschiede. So stellen bspw. für die leistungsstärkste Gruppe nur noch Substantivierungen eine Herausforderung in der fünften Klasse dar, während die leistungsschwächste Gruppe nur konkrete Substantive mehrheitlich korrekt großschreibt. Selbst Abstrakta mit unmittelbar vorangestelltem Artikel werden nur zu 40% korrekt großgeschrieben. Ob die schwächeren Leistungsgruppen einfach nur mehr Zeit benötigen und in den Folgejahren in ihrem Erwerb weiter voranschreiten, sodass sich die Leistungsgruppenunterschiede insgesamt minimieren, oder ob diese Gruppen in ihrem Erwerbsprozess möglicherweise stagnieren, werden die Ergebnisse der Längsschnittdaten zeigen.

Weitere Informationen unter:
https://www.ph-freiburg.de/deutsch.html