Ablösung vom zählenden Rechnen - Eine Interventionsstudie für die Grund- und Förderschule


Technische Universität Dortmund

Fakultät Rehabilitationswissenschaften

Differenzielle Didaktik bei Lern- und Entwicklungsstörungen

Emil-Figge-Str. 50

44227 Dortmund

Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. Franz B. Wember

Promovierende: Claudia Wittich

Förderkennzeichen: 01JG0924

Förderbetrag: 112.455 EUR

Laufzeit: 01.10.2009 - 30.11.2012


Kinder mit mathematischen Lernschwierigkeiten haben oft Probleme mit dem Arbeitsgedächtnis und in der Folge Schwierigkeiten, einfache Rechenaufgaben abzurufen. Das führt oft zu verfestigtem zählendem Rechnen über mehrere Schuljahre hinweg und stellt ein zentrales Merkmal mathematischer Lernschwierigkeiten dar.
Projektziel ist, mittels einer Interventionsstudie (2. Schuljahr Grundschule/ 4. Schuljahr Förderschule Lernen) zu prüfen, ob sich zählendes Rechnen durch eine gezielte, unterrichtsintegrierte Förderung ablösen lässt und ob diese Zielsetzung durch kooperativ-strukturiertes Mathematiklernen erreicht werden kann. Diese Studie wurde mit einer Stichprobe von 143 zählenden Rechnerinnen und Rechnern in 46 Schulkassen (38 Grundschulklassen, 8 Förderschulklassen Lernen) durchgeführt. Nach dem Vortest wurde die Stichprobe nach Mathematikleistung (DEMAT 1+), Einzeltest zur Erfassung zählenden Rechnens, IQ (CFT 1), Alter und Geschlecht parallelisiert und auf drei Untersuchungsbedingungen zufällig verteilt: a) individuell-strukturiertes Mathematiklernen, b) kooperativ-strukturiertes Mathematiklernen und c) Kontrollgruppe ohne spezifische Förderung. Fortgebildete Mathematiklehrpersonen führten 2x30 Minuten pro Woche anhand eines Unterrichtsskriptes die jeweilige Förderung mit der gesamten Klasse über 10 Wochen hinweg durch. Nach der Intervention wurden die zählend rechnenden Kinder erneut getestet. Am Ende des Schuljahres (Juni/Juli 2011) wurde ein zweiter Nachtest durchgeführt, bei dem alle Kinder der Klasse am Mathematiktest (DEMAT 2+) und die zählend rechnenden Kinder zusätzlich am Einzeltest teilnahmen.
Um den Erfolg der Intervention zu überprüfen, wurden die Ergebnisse der zählenden Rechnerinnen und Rechner in den einzelnen Untersuchungsgruppen verglichen und varianzanalytisch ausgewertet. Dabei zeigen erste Ergebnisse, dass es einen signifikanten Interaktionseffekt zwischen Zeit und Förderung gibt, der maßgeblich von den Lernfortschnitten der zählenden Kinder im kooperativ-strukturierten Mathematikunterricht beeinflusst wurde. Regressionsanalysen zeigen einen signifikanten Effekt für die kooperative Förderung für den ersten Nachtest, jedoch nicht für den zweiten Nachtest (Follow-up).
Die zählend rechnenden Kinder scheinen somit vom kooperativ-strukturierten Mathematikunterricht zu profitieren, allerdings nicht nachhaltig. Die Förderung müsste wahrscheinlich dauerhaft im Unterricht implementiert werden.

Weitere Informationen unter:
http://www.fk-reha.tu-dortmund.de/fk13/de/Aktuelles/