Fachwissenschaftliches und fachdidaktisches Wissen von Deutschlehrkräften und dessen Effekte auf die Rechtschreibentwicklung von Grundschülern


Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main

FB 10 Neuere Philologien

Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache

Am Grüneburgplatz 1

60323 Frankfurt

Projektleiter: Prof. Dr. Günther Thomé

Promovierende: Irene Margarita Corvacho del Toro

Förderkennzeichen: 01JG0908

Förderbetrag: 70.569 EUR

Laufzeit: 01.10.2009 - 30.09.2011


Die Lehrerforschung der letzten zehn Jahre weist auf die große Bedeutung der Lehrkraft und ihres Wissens für die Unterrichtsqualität und den Lernerfolg der Schüler hin. Insbesondere der Lernerfolg von schwächeren Schülern scheint von dem Wissen und Können einer guten Lehrkraft abzuhängen. Im Rahmen dieser empirischen Untersuchung wurden grundlegende fachliche und fachdidaktische Inhalte erarbeitet, über die die Lehrkraft verfügen sollte, um das Lernen der Rechtschreibung in den ersten beiden Grundschuljahren positiv lenken und unterstützen zu können. Dieses Wissen wurde im Zusammenhang zur erhobenen Rechtschreibleistung der Schüler am Ende der zweiten Klasse untersucht. Die Erhebung fand im Rahmen der großen längsschnittlichen Studie „Persönlichkeits- und Lernentwicklung von Grundschülern“ (PERLE) statt. Die Stichprobe umfasste 29 Lehrkräfte/Klassen und 421 Grundschüler. Das Wissen der Lehrkräfte wurde proximal mit einem selbstentwickelten Wissenstest erfasst. Die befragten Lehrkräfte haben ihre Klassen in der ersten und zweiten Klasse unterrichtet. Die Schülertexte wurden qualitativ-quantifizierend ausgewertet, in der Überzeugung, dass dieser Erfassung eine höhere Validität im Sinne der tatsächlich vorhandenen Kompetenz zukommt. In einem Mehrebenenmodell wurde das Lehrerwissen als Haupteffekt auf Klassenebene und als Interaktionseffekt zu den kognitiven Voraussetzungen der Schüler modelliert. Es wird also angenommen, dass je nach Voraussetzungen der Schüler das Lehrerwissen eine stärkere oder schwächere Rolle für die erbrachte Rechtschreibleistung spielt. Die Ergebnisse bestätigen das postulierte theoretische Modell. Das erhobene Wissen der Lehrkraft wirkt sich auf den Zusammenhang zwischen der Grundintelligenz und der Rechtschreibleistung so aus, dass die Rechtschreibleistung jedes einzelnen Schülers umso stärker von seinen eigenen kognitiven Voraussetzungen abhängt, je niedriger das fachliche Wissen der Lehrkraft ist. Ein höheres Lehrerwissen führt zu einem geringeren Einfluss der Grundintelligenz auf die spätere Rechtschreibleistung. Dieser empirische Befund untermauert die Ergebnisse früherer Studien, in denen sich zeigte, dass die Leistung von Schülern mit Lernschwierigkeiten stark von Merkmalen der Unterrichtsqualität abhängt. Die Ergebnisse sprechen dafür, Linguistik (Phonetik, Phonologie, Graphematik) stärker in die Ausbildung von Grundschullehrkräften zu integrieren.

Weiter Informationen unter:
http://www.uni-frankfurt.de/