Grundschulkinder deuten Anschauungsmittel: Eine epistemologische Kontext- und Rahmenanalyse zur Förderung der visuellen Strukturierungsfähigkeit


Universität Duisburg-Essen

Fachbereich Mathematik

Forsthausweg 2

47057 Duisburg

Projektleiter: Prof. Dr. Heinz Steinbring

Promovierende: Anke Steenpaß

Förderkennzeichen: 01JG0923

Förderbetrag: 110.667 EUR

Laufzeit: 01.02.2010 - 31.03.2013


Basierend auf einem Verständnis von Mathematik als Wissenschaft der Muster haben Anschauungsmittel im Mathematikunterricht auch eine Funktion als epistemologisches Denkmittel. Es hat sich bereits empirisch gezeigt, dass die visuelle Strukturierungsfähigkeit nicht durch bloßen Umgang mit den Materialien erlernt wird.
Ziel des Vorhabens war es, Deutungen von Grundschulkindern zu mathematischen Anschauungsmitteln interpretativ zu analysieren und auf dieser Grundlage wesentliche Rahmungen herauszuarbeiten. Zudem wurde erfasst, in welcher Weise diese Rahmungen die Kinder in einem strukturorientierten und flexiblen Gebrauch von mathematischen Veranschaulichungen beeinflussen. Die Studie war als qualitative Interventionsstudie angelegt, in der jeweils 20 halbstandardisierte Prä- und Postinterviews mit Kindern eines dritten Jahrgangs durchgeführt wurden. Die Intervention erfolgte ebenfalls in zwei dritten Klassen in Form von 10 Unterrichtsstunden à 45 Minuten. Ziel der Stunden war es, die Kinder in eine spezielle Unterrichtskultur einzuführen, in der gerade die Mehrdeutigkeit von Anschauungsmitteln produktiv genutzt wird, um somit die visuelle Strukturierungsfähigkeit zu fördern. In einem ersten Schritt wurden die Lösungen der Kinder mit Hilfe des Analyseinstruments  „4 Ebenen der visuellen Strukturierungsfähigkeit“ von Söbbeke typisiert. In einem zweiten Schritt wurden die Begründungen der Kinder hinsichtlich genutzter Kontexte und Sinngebungshorizonte untersucht und charakterisiert.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Strukturierungsfähigkeit maßgeblich von den eingenommenen Rahmungen der Grundschulkinder beeinflusst wird. Als typische Deutungsmuster konnten bisher „objektbezogene“ und „systembezogene“ Rahmungen herausgearbeitet werden. Der objektbezogene Rahmungstyp zeichnet sich dadurch aus, dass gegebene Kontextelemente als dingliche Einzelobjekte gedeutet werden. Dahingegen fokussieren Kinder mit einer systembezogenen Rahmung weniger auf die Kontextelemente selber, sondern vielmehr auf Beziehungen zwischen diesen Elementen und interpretieren sie als Symbole in einem System. Weiterhin zeigt sich, dass Aufgaben, die zu Umdeutungen von Darstellungen herausfordern, Modulationen von Rahmungen forcieren. So nehmen die Kinder im Postinterview zunehmend aspekteweise systembezogene Rahmungen ein. 

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