Diagnosekompetenz von Erzieher/innen und Lehrer/innen in der Übergangsphase


Ludwig-Maximilians-Universität München

Fakultät für Psychologie und Pädagogik - Department für Pädagogik und Rehabilitation

Institut für Schul- und Unterrichtsforschung

Leopoldstr. 13

80802 München

Projektleiterin: Prof. Dr. Angelika Speck-Hamdan

Promovierende: Sonja Dollinger

Förderkennzeichen: 01JG0919

Förderbetrag: 91.599 EUR

Laufzeit: 01.10.2009 – 29.02.2012


Diagnosekompetenz und Diagnosegenauigkeit rückten aufgrund der PISA 2000-Ergebnisse  vermehrt in den Fokus der Wissenschaft. Sie gelten als wichtige professionelle Kompetenzen von Lehrpersonen. Bisher wurde hauptsächlich die Diagnosekompetenz/ Diagnosegenauigkeit von Sekundarstufenlehrern oder Lehrpersonen der 3. und 4. Klasse untersucht. Doch gerade auch im Hinblick auf anschlussfähige Bildungs- und Lernprozesse kommt der exakten Kenntnis bzw. Einschätzung der Lernausgangslagen durch die Elementar- und Primarpädagogen ein besonderer Stellenwert zu. Ziel des Vorhabens war es, zu untersuchen, wie exakt die Pädagog/inn/en aus Kindergarten und Grundschule die Kinder ca. ein halbes Jahr vor Eintritt in die Grundschule, circa drei Monate nach Beginn sowie am Ende der ersten Klasse hinsichtlich ihrer Kompetenzen in kognitiven wie sozialen Kompetenzbereichen einschätzen können. Zudem sollte analysiert werden, von welchen Faktoren auf Kinder- oder Pädagogen-Ebene die Genauigkeit der Einschätzungen beeinflusst wird. Hierzu wurden die Kinder mittels eines adaptiven, computerbasierten Testverfahrens zu allen drei Messzeitpunkten hinsichtlich ihrer Lernausgangslagen in den Bereichen Wortschatz, Lesen, Lautbewusstheit und Mathematik untersucht und von ihren Erzieher/inne/n bzw. Lehrer/inne/n diesbezüglich eingeschätzt. Zu den ersten beiden Messzeitpunkten wurden die Kinder zudem anhand einer Skala zum Sozialverhalten von ihren Pädagog/inn/en und ihren Eltern eingeschätzt. Hinsichtlich der Diagnosegenauigkeit in den kognitiven Kompetenzbereichen war dabei von Interesse, wie exakt das Niveau (= exakte Ein-, Über- oder Unterschätzung der Testleistung), die Rangreihenfolge (= Einschätzung der relativen Leistungsposition der Kinder innerhalb der Gruppe oder Klasse) und die vorhandene Leistungsstreuung (= exakte Ein-, Über- oder Unterschätzung der Leistungsstreuung innerhalb der Gruppe oder Klasse) von den Pädagog/inn/en eingeschätzt werden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Pädagog/inn/en über keine sehr gut ausgeprägte Diagnosegenauigkeit verfügen. So werden zwar die Rangreihenfolgen einigermaßen treffend eingeschätzt, die Kompetenzen der Kinder jedoch in den verschiedenen Bereichen unter- oder überschätzt. Erzieher/innen schätzen in den sozialen und Lehrer/innen in den kognitiven Kompetenzbereichen präziser ein. Die Befunde zeigen auf, dass die Pädagog/inn/en im Rahmen von Aus- und Weiterbildung für die unzureichende Genauigkeit und vorhandene Einflussfaktoren diesbezüglich sensibilisiert sollten. Des Weiteren sind den Pädagog/inn/en Verfahren zur Verfügung zu stellen, die sie bei der Erfassung der Lernausgangslagen unterstützen. Zudem sind eine intensivere Zusammenarbeit von Erzieher/inne/n und Grundschullehrer/inne/n sowie ein intensiver fachlicher Austausch wünschenswert.

Weitere Informationen unter:
http://www.fak11.lmu.de/dep_paedagogik/