Kompetenzdiagnostik in der beruflichen Bildung: Modellierung und Entwicklung eines Diagnoseinstruments für die Fachkompetenz im Ausbildungsberuf Bankkaufmann/-frau


Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Abt. 2 - Arbeitsbereich 2.4

Robert-Schuman-Platz 3

53175 Bonn

Projektleiter: Prof. Dr. Reinhold Weiß

Promovierende: Tanja Tschöpe

Förderkennzeichen: 01JG0905

Förderbetrag: 130.996 EUR

Laufzeit: 01.10.2009 - 30.09.2012


Die Kompetenzdiagnostik steht in der beruflichen Bildung trotz vielfältiger konzeptioneller Beiträge bei der Entwicklung von Modellen und Testverfahren und ihrer empirischen Überprüfung noch am Anfang. Im Bereich der allgemeinen Bildung wurden methodische Standards durch den Einsatz probabilistischer Testmodelle gesetzt, deren Möglichkeiten auch für den Bereich der beruflichen Bildung ausgeschöpft werden sollten. Im Forschungsvorhaben sollte dies für die Beratungskompetenz im Ausbildungsberuf Bankkaufmann/-frau geschehen. Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung eines Kompetenzmodells und eines Testverfahrens für die Beratungskompetenz von Bankkaufleuten am Ende der Berufsausbildung. Die methodische Grundlage des Testverfahrens bilden statistische Modelle der Item-Response-Theorie (IRT). Bei der Umsetzung war das Projekt in sechs Arbeitsschritte gegliedert. Der erste Schritt umfasste die Durchführung einer Anforderungsanalyse der Beratungstätigkeit in Kreditinstituten, die neben schriftlichen Quellen qualitative Interviews mit Ausbildern und Auszubildenden berücksichtigt. Die Ergebnisse der Analyse wurden im zweiten Schritt in einem Domänenmodell zusammengeführt, das typische Tätigkeiten, Inhalte und Anforderungen beschreibt. Es bildete die Grundlage für den dritten Schritt, die Ableitung eines Kompetenzmodells, in dem die zur Bewältigung der Anforderungen notwendigen Kompetenzen dargestellt werden. Im vierten Schritt wurden die Kompetenzen messbar gemacht. Während für die fachlichen Kompetenzen bereits ein geeignetes Verfahren vorliegt, wurde für die sozial-kommunikativen Kompetenzen ein eigenes Verfahren konstruiert. Beide Verfahren kamen im fünften Schritt an einer Stichprobe von 400 Bankkaufleuten am Ende der Ausbildung zum Einsatz. Parallel wurden weitere Daten erhoben, um die Plausibilität der Ergebnisse zu überprüfen. Im abschließenden sechsten Schritt erfolgte die Auswertung sämtlicher Daten. Die Ergebnisse der Anforderungsanalyse wurden im Domänenmodell für die Kundenberatung in Kreditinstituten zusammengefasst und die zentralen Anforderungen in ein Kompetenzmodell überführt. Es unterscheidet auf der einen Seite beratungsrelevante Facetten des Fachwissens und auf der anderen Seite sozial-kommunikative Kompetenzen. Für die sozial-kommunikative Beratungskompetenz wurde ein schriftliches Testverfahren entwickelt, das die drei Dimensionen „Kundenbedürfnisse erkennen und abwägen“, „Gesprächsverlauf steuern“ und  „Überzeugend darstellen und argumentieren“ unterscheidet. Nach Abschluss der Pilotierung und der inhaltlichen und statistischen Absicherung des Testverfahrens steht es für die berufliche Praxis – beispielsweise zur Personalauswahl – und auch für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung.

Weitere Informationen unter:
http://www.bibb.de/de/index.php