Relevanz und Realisierbarkeit als Merkmale guter Bildungsstandards für das Abitur. Eine qualitativ-empirische Untersuchung


Friedrich-Schiller-Universität Jena

Philosophische Fakultät

Institut für Germanistische Literaturwissenschaft

Fürstengraben 18

07743 Jena

Projektleiterin: Prof. Dr. Juliane Köster

Promovierender: Michael Steinmetz

Förderkennzeichen: 01GJ0860

Förderbetrag: 77.349 EUR

Laufzeit: 01.02.2009 - 31.01.2012


Vor dem Hintergrund der - in allen Bundesländern verbindlichen - Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss (BS für den MSA, 10 Jg.) und der Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung (EPA) Deutsch bestand das Hauptziel der Studie darin, herauszufinden, ob Abiturienten in der schriftlichen Abiturprüfung literarische Texte so interpretieren, wie es die bildungsadministrativ gesetzten und bundesweit verbindlichen Anforderungen verlangen. Es sollte herausgefunden werden, 1. ob und in welcher Ausprägung die in den BS für den MSA geforderten Kompetenzen im Bereich "Lesen – Umgang mit Texten und Medien" zum Ausweis kommen und 2. inwieweit darüber hinaus die in den EPA genannten Anforderungen (Aufgabenart "Untersuchendes Erschließen literarischer Texte: Textinterpretation") erfüllt werden. Der qualitativ-empirischen Untersuchung wurde die theoretisch begründete Annahme zugrunde gelegt, dass Abiturienten in der Regel die Anforderungen für den Mittleren Schulabschluss (BSMSA) erfüllen, nicht aber die Anforderungen für das Abitur (EPA). Diese Annahme galt es mit Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse an Abiturprüfungsarbeiten zu überprüfen. Insgesamt wurden aus einem Bundesland 50 Abiturprüfungsarbeiten, deren Mittel- und Streuungswerte mit denen der Grundgesamtheit übereinstimmten, mehrfach inhaltsanalytisch codiert, skaliert und in Bezug auf die Forschungsfragen ausgewertet. Den qualitativen Ergebnissen zufolge verfehlen sowohl die Bildungsstandards für den MSA als auch die EPA ihren Erreichbarkeits- und Verbindlichkeitsanspruch, jedenfalls was die Domänen „Untersuchendes Erschließen literarischer Texte“ (EPA) und „Literarische Texte verstehen und nutzen“ (BMSA) anbetrifft: Die Anforderungen der Bildungsstandards für den MSA sind für Abiturienten im Sinne von Regelstandards realisierbar, die Anforderungen der EPA sind für Abiturienten allenfalls im Sinne von Exzellenzstandards realisierbar. Selbst Leistungen, die vom Anforderungsniveau der EPA sehr weit entfernt sind, werden als abiturtauglich anerkannt. Das ist brisant, vor allem in Anbetracht der kürzlich verabschiedeten Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife, die das bisherige Anforderungsniveau eher erhöhen als senken sollten.

Weitere Informationen unter:
http://www.glw.uni-jena.de/