Faire Vergleiche in der Schulleistungsforschung - Methodologische Grundlagen und Anwendung auf Vergleichsarbeiten


Friedrich-Schiller-Universität Jena

Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften

Institut für Psychologie

Am Steiger 3

07743 Jena

Projektleiter: Prof. Dr. Rolf Steyer

Promovierende: Christiane Fiege

Förderkennzeichen: 01GJ0852

Förderbetrag: 80.346 EUR

Laufzeit: 01.02.2009 - 31.07.2011


Ein gemeinsames Ziel von Vergleichsarbeiten ist die Quantifizierung von Unterrichtseffekten, die wiederum Ansatzpunkt für Unterrichtsentwicklung sein sollen. Dazu werden Schülerleistungen durch standardisierte Testverfahren erhoben und bspw. auf Klassenebene verglichen. Um zu fairen Vergleichen zu gelangen, müssen heterogene Ausgangsvoraussetzungen der Schüler (z.B. ihr Vorwissen) berücksichtigt werden. Dafür werden Adjustierungsverfahren verwendet, die Unterschiede bzgl. dieser außerschulischen Einflussgrößen des Lernens (Kovariaten) berücksichtigen. Zielstellung des Projektes war es, erste Schritte in Richtung allgemein verbindlicher Standards zum Umgang mit Adjustierungsverfahren in Vergleichsarbeiten zu gehen. Dazu wurde zunächst das Ziel verfolgt, die verschiedenen Adjustierungsstrategien, die bei Vergleichsarbeiten zur Berechnung sogenannter „fairer Vergleiche“ Anwendung finden, zu systematisieren. Ein weiteres Ziel des Projektes bestand darin, anhand der Theorie kausaler Effekte die verschiedenen Adjustierungsstrategien aus Vergleichsarbeiten theoretisch zu fundieren, um die Interpretation der daraus resultierenden Ergebnisse als Unterrichts- bzw. Schuleffekte zu rechtfertigen. Davon ausgehend wurden verschiedene Adjustierungsmodelle mittels einer Reanalyse von Schulleistungsdaten hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit geprüft, um aus den Ergebnissen Kriterien zur Verwendung von Adjustierungsstrategien ableiten zu können. Aktuell existieren im Rahmen von Vergleichsarbeiten verschiedene statistische Adjustierungsverfahren, die sich hinsichtlich der methodischen Vorgehensweise sowie Art und Anzahl der dabei berücksichtigten Kovariaten unterscheiden. Da in der Praxis der Durchführung und Auswertung von Vergleichsarbeiten immer auch Praktikabilitätsaspekte (bspw. hinsichtlich der Erhebung von Kovariaten) eine zentrale Rolle spielen, können die berechneten Effektivitätsmaße stets nur eine Annäherung an Unterrichtseffekte und in diesem Sinne lediglich „fairere“ Vergleiche darstellen. Deswegen sollten die so berechneten Maße nicht als ursächliche (kausale) Effekte des Unterrichts interpretiert werden. Zudem sollte - wann immer möglich - das fachspezifische Vorwissen bei der Berechnung „fairerer“ Vergleiche Berücksichtigung finden.

Weitere Informationen unter:
http://www.psychologie.uni-jena.de/