Entwicklung und Evaluation eines computerbasierten phonologischen Trainingsprogramms bei Grundschulkindern mit Lese-Rechtschreibstörung (2. Phase)


Technische Universität Kaiserslautern

Fachbereich Sozialwissenschaften

Kognitions- und Entwicklungspsychologie

Erwin-Schrödinger-Str. 57

67663 Kaiserslautern

Projektleiterin: Prof. Dr. Maria Klatte

Förderkennzeichen: 01 GJ 1401

Förderbetrag: 309.811 EUR

Laufzeit: 01.06.2014 – 31.12.2017


Ausgehend von Forschungserkenntnissen zur Bedeutung defizitärer phonologischer Verarbeitungsfunktionen bei der Lese-Rechtschreibstörung (LRS) und zur Effizienz von Interventionsmaßnahmen wurde in der ersten Förderphase ein computerbasiertes Trainingsprogramm für Kinder mit LRS konstruiert (Lautarium), das Übungen zur phonologischen Verarbeitung mit der systematischen Vermittlung von Graphem-Phonem-Korrespondenzen kombiniert. Eine Evaluationsstudie belegte signifikante Effekte des Trainings auf die phonologischen und schriftsprachlichen Leistungen bei Drittklässlern mit LRS. Die zweite Förderphase umfasst zwei Arbeitsbereiche, nämlich (1) die Optimierung des Programms auf der Basis der Ergebnisse der Evaluationsstudie und Erstellung einer verbreitungsfähigen Version sowie (2) die Konstruktion und Evaluation einer modifizierten Version, welche zur Förderung von Kindern der Jahrgangsstufen 1 und 2 eingesetzt werden kann, die erhebliche Probleme mit dem Schriftspracherwerb zeigen. Durch die frühzeitige Förderung soll der Entwicklung persistierender Lese-Rechtschreibschwierigkeiten in dieser Gruppe entgegengewirkt werden.

Arbeitsbereich (1) umfasst u. a. die Optimierung der adaptiven Lernalgorithmen und Instruktionen, die Erweiterung der Spiele zum Lesen und Schreiben sowie die Überprüfung der phonetischen Transkription der implementierten Realwörter. Arbeitsbereich (2) umfasst die Anpassung des Programms an jüngere Kinder mit Problemen beim Einstieg in den Schriftspracherwerb sowie eine Studie zur Wirksamkeit des Trainings in dieser Gruppe. Als Anhaltspunkte für die Programmanpassung sollen die in einer Vorstudie erhobenen Trainingsdaten von 41 Erstklässlern herangezogen werden. Nach Erstellung der modifizierten Version erfolgt eine Evaluationsstudie, in der die Wirkungen des Trainings auf die phonologischen und schriftsprachlichen Leistungen bei Kindern, die nach dem ersten Schuljahr Probleme beim Erlernen des Lesens oder Rechtschreibens zeigen, analysiert werden.

Die Projektergebnisse werden der Öffentlichkeit in Form des Computerprogramms Lautarium zugänglich gemacht. Das Lautarium wird in zwei Versionen erscheinen und deckt die gesamte Grundschulzeit ab. Im Vergleich zu traditionellen Formen der Förderung bei LRS bietet die Verwendung von Computerprogrammen eine Reihe von Vorteilen. Sie ermöglichen die kombinierte Darbietung qualitativ hochwertiger Sprachsignale und den zugehörigen orthographischen Einheiten und fördern so die Differenzierung phonologischer Repräsentationen und das Erlernen von Graphem-Phonem-Korrespondenzen. Adaptive Lernalgorithmen gewährleisten eine an das individuelle Leistungsniveau angepasste Förderung und damit eine optimale Ausnutzung der Lernzeit. Zudem ermöglichen Computerprogramme ein massiertes, tägliches Training über einen begrenzten Zeitraum von mehreren Wochen. Derartige Trainingspläne haben sich in verschiedenen Studien als besonders effektiv erwiesen; sie sind jedoch im Rahmen des normalen Förderunterrichts meist nicht realisierbar.

Lautarium kann im Rahmen der außerschulischen und schulischen Förderung eingesetzt werden. Die Anwendung von Lautarium im Unterricht begünstigt die Beschulung von Kindern mit LRS in Regelklassen und unterstützt somit die Bemühungen um eine Inklusion von Kindern mit Lernschwierigkeiten. Die bisherigen Studien bestätigen die Praktikabilität des Programms für den schulischen Einsatz und die hohe Akzeptanz bei Lehrkräften, Eltern und Kindern.

Da Instruktionen, Feedback, Aufgabenwahl etc. vom Programm selbst geleistet werden, können die Kinder das Programm quasi selbstständig durcharbeiten. Es ist daher auch für den Einsatz im Elternhaus geeignet. Die Förderung wird hierdurch unabhängig von der Verfügbarkeit einer Lehrkraft. Dies begünstigt eine weite Verbreitung des Programms – auch in Familien, die eine außerschulische Förderung durch eine Lehrkraft nicht anstreben oder nicht finanzieren können. 

Weitere Informationen unter:
1. Phase des Projekts
http://www.sowi.uni-kl.de/psychologie-ii/staff/klatte/