Evaluation von zwei Interventionen bei Kindern mit einer Lese- und Rechtschreibstörung – neuropsychologische und neurophysiologische Korrelate der Fördereffekte


Ludwig-Maximilians-Universität München

Klinikum der Universität München

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie - Abt. Bildung und Entwicklung

Pettenkoferstr. 8 a

80336 München

Projektleiter: Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne

Förderkennzeichen: 01 GJ 1001

Förderbetrag: 343.516 EUR

Laufzeit: 01.05.2010 - 30.06.2013


Die Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) ist eine der häufigsten umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten und bleibt meist bis ins Erwachsenenalter bestehen. Die Förderung ist von größter Bedeutung für die schulische und psychosoziale Entwicklung der Kinder. Interventionsstudien bei LRS zeigen geringe bis mittelhohe Effekte. Grund hierfür könnte die fehlende Spezifität der Förderansätze sein. Um die Fördereffekte zu vergrößern, werden mithilfe bildgebender Verfahren die veränderten Hirnfunktionen der gestörten Lernprozesse dargestellt.

Die Studie untersuchte die neuropsychologischen und -physiologischen Korrelate vor und nach einer sechsmonatigen Lese- und Rechtschreibförderung. Die neurophysiologischen Veränderungen beeinträchtigter Teilprozesse des Lesens und Schreibens sollten helfen, spezifische Hinweise für gestörte Lernprozesse zu bekommen und hieraus eine individuelle Konzeption für die Förderung zu entwickeln. Vier Gruppen von Drittklässlern und Drittklässlerinnen nahmen an der Längsschnittstudie mit einem Prä-Post-Follow-up- Design teil. Zwei Gruppen von Kindern mit LRS wurden über sechs Monate intensiv zweimal wöchentlich einzeln mit einem Lese- oder Rechtschreibprogramm gefördert und mit einer Wartegruppe, die erst nach sechs Monaten gefördert wurde, und einer nicht betroffenen Kontrollgruppe verglichen. Die Nachhaltigkeit der Fördereffekte wurde ein Jahr nach Ende der Förderung untersucht. Die Untersuchung auf Verhaltensebene umfasste die Lese- und Rechtschreibleistung, phonologische Bewusstheit, auditives Kurzzeitgedächtnis, lexikalisches Wissen und Verarbeitungsgeschwindigkeit. Neurophysiologische Korrelate der gestörten Lese- und Rechtschreibprozesse wurden mithilfe einer phonologisch lexikalen Entscheidungsaufgabe erfasst. Sowohl die zeitlichen Abläufe der veränderten Hirnfunktionen als auch die Stärke der neuronalen Aktivierung während der einzelnen Verarbeitungsschritte wurden analysiert.

Die quantitative und qualitative Analyse der Lese- und Rechtschreibleistungen vor und nach der Förderung zeigt, dass sich alle Kinder mit einer LRS signifikant verbessern. Eine Überlegenheit einer einzelnen Gruppe fand sich nicht. Da sich auch die Wartegruppe der unbehandelten Kinder mit einer LRS verbessert hat, konnten keine eindeutigen Schlüsse über die Effektivität der Förderung und ihrer neurophysiologischen Korrelate gezogen werden. Die Gründe hierfür sind unklar, müssen aber unbedingt verstanden werden. Hierzu fehlen jedoch weltweit Studien. Es ist dennoch zwingend notwendig, die spezifischen von den unspezifischen Fördereffekten zu unterscheiden.

Weitere Informationen unter:
www.kjp.med.uni-muenchen.de/forschung/foerderstudie.php