Domänenübergreifende und dömänenspezifische Korrelate numerisch-mathematischer Leistung


Freie Universität Berlin

Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie / Arbeitsbereich Allgemeine und Neurokognitive Psychologie

Habelschwerdter Allee 45 Raum JK 27/231

14195 Berlin

Projektleiter: Prof. Dr. Arthur Jacobs

Förderkennzeichen: 01GJ0811

Förderbetrag: 334.540,14 EUR

Laufzeit: 01.11.2008 bis 31.10.2012


Internationale und auch deutsche Studien belegen, dass etwa jedes 20. Kind unter schweren Lernstörungen im Bereich der Mathematik leidet (Rechenschwäche, Rechenstörung, Dyskalkulie). Neben Defiziten im Hinblick auf zahlenspezifische (neuro-)kognitive Funktionen wie der basalen Repräsentation numerischer Größe (sogenannter Mentaler Zahlenstrahl) werden auch bereichsübergreifende Ursachen der Rechenschwäche diskutiert. Zu Letzteren gehören neben gestörten Arbeitsgedächtnisfunktionen vor allem auch Defizite hinsichtlich sogenannter exekutiver Kontrollfunktionen.

Ziel dieses Projekts war die längsschnittliche Untersuchung des Zusammenhangs zwischen basal-numerischen Defiziten sowie Defiziten im Bereich exekutiver Funktionen und der Entwicklung schulischer Fertigkeiten im Fach Mathematik während der ersten Grundschuljahre. Nach einem diagnostischen Screening von ca. 2500 Grundschülern der ersten und zweiten Schulstufe in Bezug auf ihre Leistung im Bereich mathematischer Verarbeitung sowie relevanter Kontrollparameter (Intelligenz, Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtniskapazität, Lese- und Rechtschreibfähigkeit) wurde im Rahmen von drei jährlichen Erhebungsphasen die Entwicklung kontrollierter Gruppen von Kindern mit schwachen, mittleren und überdurchschnittlichen mathematischen Leistungen in Bezug auf basale numerische Fertigkeiten sowie auf exekutive Kontrollfunktionen nachvollzogen. Bei den Erhebungen wurde mithilfe etablierter diagnostischer und experimenteller Paradigmen ein Spektrum an Verhaltensdaten und neurophysiologischen Daten erhoben, die nähere Erkenntnisse über Zusammenhänge kritischer Einflussgrößen im Laufe der frühen Schulentwicklung erlauben. Neben dieser longitudinalen Studie wurden Interventionsprogramme durchgeführt, die den Nutzen domänenspezifischer und -übergreifender Trainingsansätze für Kinder mit Störungen der mathematischen Verarbeitung ermitteln und für unterschiedliche Subgruppen kontrastieren sollen.

Für den Praxistransfer relevant sind Evaluationsdaten zur Wirksamkeit eines neuropsychologisch orientierten numerischen Förderprogramms, das unter Einbeziehung des Trainings von prozeduralem Wissen und Faktenwissen auf den Aufbau basal-numerischer und konzeptueller Kompetenzen abzielte. Es wurden fünf Gruppen (rechenschwache Kinder und Kontrollkinder jeweils ohne und mit Leseschwäche, eine Wartegruppe) vor und nach der Intervention in Bezug auf ihre Leistung untersucht. Während sich Kinder der Interventionsgruppen bedeutsam verbessern konnten, waren bei Kindern der Warte- und Kontrollgruppen kaum Leistungszuwächse festzustellen. Der Leistungszuwachs der Kinder mit isolierter Rechenschwäche war deutlich größer als der der Kinder mit zusätzlicher Leseschwäche. Die Auswertung der entsprechenden neurokognitiven Daten steht noch aus.

Weitere Informationen unter:
http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/allgpsy/mitarbeiter_innen/ajacobs/