Aufmerksamkeit macht Schule (Verbundvorhaben)


Entwicklung und Evaluation einer Fortbildungsmaßnahme für pädagogische Mitarbeiter offener Ganztagsschulen zur Förderung eines konzentrierten Arbeitsverhaltens in der Hausaufgabensituation

Fachhochschule Düsseldorf

Fachbereich 6 Sozial- und Kulturwissenschaften

Universitätsstr., Geb. 24.21

40225 Düsseldorf

Verbundkoordinatorin: Prof. Dr. Charlotte Hanisch

Förderkennzeichen: 01 JH 0908

Förderbetrag: 128.083,39 EUR

Laufzeit: 01.06.2009 – 31.08.2012


Universität zu Köln

Universitätsklinikum

Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Kerpener Str. 62

50937 Köln

Projektleiter: Prof. Dr. Manfred Döpfner

Förderkennzeichen: 01 JH 0909

Förderbetrag: 147.392,40 EUR

Laufzeit: 01.06.2009 – 31.08.2012


Aufmerksamkeitsbeeinträchtigungen und klinisch relevante Aufmerksamkeitsstörungen sind weitverbreitet und erschweren insbesondere das eigenständige Erledigen der Hausaufgaben. Durch den Ausbau der offenen Ganztagsschule (OGS) erledigen immer mehr Kinder ihre Hausaufgaben (bzw. Lernzeitaufgaben) in einer Gruppensituation, die hohe Anforderungen an die Aufmerksamkeitssteuerung stellt. Selbst gesunde, aufmerksamkeitsstarke Kinder fühlen sich durch die Anwesenheit der anderen Kinder abgelenkt, sodass davon ausgegangen werden kann, dass die Erledigung der Aufgaben im Gruppensetting einer OGS für aufmerksamkeitsbeeinträchtigte Kinder eine besondere, oft nicht bewältigbare Herausforderung darstellt. Trotz der Kenntnis über effektive Präventions- und Interventionsbausteine für Kinder mit Aufmerksamkeitsproblemen fehlt in der Aus- und Fortbildung des in den OGS tätigen pädagogischen Personals eine ausführliche Wissensvermittlung zur Identifikation von Aufmerksamkeitsstörungen bzw. zum Umgang mit aufmerksamkeitsbeeinträchtigten Kindern. Ein Umdenken in dieser Hinsicht scheint umso mehr notwendig, betrachtet man die Folgen, die sich häufig auf unterschiedlichen Ebenen aus einer Aufmerksamkeitsbeeinträchtigung ergeben: schulische Probleme, oft gefolgt von Klassenwiederholung und Selbstwertproblemen. Darüber hinaus sind die individuelle Förderung benachteiligter oder beeinträchtigter Kinder und eine möglichst hohe Chancengleichheit in Bezug auf eine erfolgreiche Schullaufbahn erklärte Ziele von Schulen im 21. Jahrhundert.

Im Rahmen des durchgeführten Forschungsvorhabens wurde eine Qualifizierungsmaßnahme für pädagogische Mitarbeiter, die in der Hausaufgabenbetreuung einer offenen Ganztagsschule (OGS) tätig sind, entwickelt und evaluiert. Inhaltlich gliederte sich das Projekt in zwei Bereiche. Zum einen in die „KIDS Basis“, welche Wissens- und Strategievermittlung für den Umgang mit aufmerksamkeitsgestörten Schülerinnen und Schülern beinhaltete. Ziel war es, das pädagogische Personal in die Lage zu versetzen, über klare Arbeitsregeln und positive Konsequenzen für konzentriertes Verhalten die Lernzeit und das Arbeitsverhalten aller Schülerinnen und Schüler insgesamt zu verbessern. Zum anderen diente das „KIDS Zusatz“ der gezielten Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Aufmerksamkeitsproblemen. In acht Terminen wurden die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Durchführung des spezifischen Aufmerksamkeitstrainings geschult. Parallel dazu führten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Training mit einer Kleingruppe von vier bis sechs Kindern durch. Ziel des Trainings war die Förderung eines eigenständigen, konzentrierten und planvollen Arbeitsverhaltens. Eine Überprüfung der Trainingseffekte erfolgte in drei Erhebungswellen über ein Schuljahr: Zu jedem Messzeitpunkt erhielten die Gruppenleiterinnen und -leiter Fragebögen zur Verhaltensbeurteilung der Schülerinnen und Schüler, die durch sie als aufmerksamkeitsbeeinträchtigt identifiziert wurden. Zunächst wurde in jeder Welle erhoben, inwieweit sich das Verhalten der Gesamtgruppe durch die „KIDS Basis“ verändert hat. Im nächsten Schritt wurde überprüft, ob Kinder mit Aufmerksamkeitsbeeinträchtigungen durch die Kombination aus Basistraining und individueller zusätzlicher Förderung („KIDS Zusatz“) ihre Leistungen an die Leistungen der Gesamtgruppe angleichen können.

Zehn offene Ganztagsgrundschulen in Düsseldorf und Köln nahmen jeweils über ein Schuljahr an dem Projekt teil. Computergestützte Aufmerksamkeitstests und standardisierte Aufmerksamkeitsfragebögen zeigten, dass das eingesetzte Screening-Instrument die Zielstichprobe zuverlässig identifizieren konnte. Die Evaluation von „KIDS Basis“ und „KIDS Zusatz“ an einer Stichprobe von 116 aufmerksamkeitsbeeinträchtigten Kindern ergab deutliche Reduzierungen von oppositionellem Verhalten und Schwierigkeiten mit der Einhaltung von Regeln über den Verlauf eines Schuljahres. Allerdings legten die Ergebnisse aus der Wartekontrollgruppe nahe, dass Entwicklungs- und Interventionseffekte zusammenfallen. Weitergehende Moderatorenanalysen sollten klären, welche Faktoren einen Interventionserfolg vorhersagen. Als mögliche Einflussfaktoren wurden auf der Ebene der Schulen Ausbildungshintergrund sowie Berufserfahrung der pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auf der Ebene der Kinder Ausmaß der oppositionellen Verhaltensweisen identifiziert. Die Unterschiede in der Ausgestaltung der Abläufe der Nachmittagsbetreuung und in der personellen, räumlichen und zeitlichen Ausstattung zwischen den Schulen stellte ein forschungsmethodisches Problem dar. Weitergehende Analysen der Daten sollen klären, welche Strukturen gegeben sein sollten, um ein vergleichbares Training sinnvoll anbieten zu können.

Die im Projekt „Aufmerksamkeit macht Schule“ gewonnenen Erkenntnisse werden in die Konzeption und Durchführung eines neuen Forschungsvorhabens zur Weiterbildung von Grundschullehrern einfließen.