Sprabilon-II: Empirische Erfassung sprachlicher Entwicklung bilingualer Kinder in longitudinaler Perspektive: Übergang vom Primar- in den Sekundarbereich


Universität Hamburg

Fachbereich Erziehungswissenschaft

Institut für International und Interkulturell - Vergleichende Erziehungswissenschaft

Von-Melle-Park 8

20146 Hamburg

Projektleiterin: Prof. Dr. Ingrid Gogolin

Förderkennzeichen: 01GJ0903

Förderbetrag: 279.595,10 EUR

Laufzeit: 01.03.2009–30.04.2012


SPRABILON II knüpfte an Vorarbeiten an, die im BLK-Modellprogramm „Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund FÖRMIG“ geleistet wurden. Mit diesem Programm und anderen Maßnahmen war auf die Erkenntnis reagiert worden, dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund auch dann Leistungsnachteile gegenüber Nichtgewanderten in deutschen Schulen haben, wenn sie ihre gesamte Bildungsbiografie darin verbracht haben. Es fehlen jedoch Untersuchungen, die zur Klärung der Ursachen für diesen Befund beitragen.

Hauptziel der Untersuchung war es, Verläufe und Ergebnisse des Spracherwerbsprozesses einer FÖRMIG-Stichprobe über zwei Schuljahre (7. und 8. Klasse) in der Sekundarstufe I zu verfolgen. Dabei sollten die leitenden Fragen geklärt werden, (1) ob sich Effekte der Sprachförderung, die im Rahmen des Modellprogramms erfolgte, über die Sekundarschulzeit verfolgen lassen und welche dies ggf. sind; (2) ob und wie sich bei bilingualen Schülern/-innen die herkunftssprachliche Entwicklung und die Entwicklung im Deutschen unterscheiden; (3) ob und wie sich die Entwicklung im Deutschen von Schülern/-innen mit und ohne Migrationshintergrund unterscheiden. Zu drei Messzeitpunkten wurden rezeptive (Lesefähigkeit; Wortschatz) und produktive (schriftsprachliche) Fähigkeiten mit parallel konstruierten Instrumenten für Deutsch, Türkisch und Russisch erhoben. Ferner wurden Daten zu relevanten Einflussfaktoren (kognitive Dispositionen, sozioökonomischer Hintergrund, Migrations- und Sprachbiografie, kulturelles Kapital der Familie) erhoben. Einbezogen waren ca. 430 Schüler/-innen aus 21 Klassen; 55 Schülerinnen und Schüler hatten an FÖRMIG teilgenommen. Rund 65 Prozent der Probanden hatten einen Migrationshintergrund; der überwiegende Teil dieser Schüler/-innen war jedoch bereits in Deutschland geboren. Etwa 53 Prozent der Probanden sprachen außer Deutsch eine andere Sprache im Elternhaus.

Zentrales Ergebnis der Untersuchung ist: Migrantenjugendliche am Ende der 8. Klasse weisen noch einen Rückstand im Deutschen gegenüber den nicht migrierten Kameradinnen und Kameraden auf. Besonders aufschlussreich ist es, dass sich der Rückstand in den produktiven Sprachdaten (schriftsprachliche Fähigkeiten) nicht bei alltagssprachlichen Ausdrucksmitteln zeigt, wohl aber in komplexen sprachlichen Bereichen, die stärker bildungsrelevant sind (z. B. bei fachlichen Ausdrucksweisen und anspruchsvollen grammatischen Formen). Das Ergebnis weist darauf hin, dass die Förderung bildungsrelevanter Sprachfähigkeiten auch in höheren Schulklassen erfolgen muss. Zu den Ergebnissen des Projekts gehören zudem zwei pilotierte Instrumente zur Sprachstandsmessung (Wortschatz; mündliche Fähigkeiten), die für weitere Untersuchungen zur Verfügung stehen.