Effekte sprachsystematischer und fachbezogener Sprachförderung bei Grundschulkindern nicht-deutscher Herkunftssprache (Verbundvorhaben)


Verbundpartner:

Freie Universität Berlin

Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie

Habelschwerdter Allee 45

14195 Berlin

Verbundkoordinatorin: Prof. Dr. Petra Stanat

Förderkennzeichen: 01GJ0906

Förderbetrag: 369.792,74 EUR

Laufzeit: 01.03.2009–31.05.2012


Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Fakultät II

Institut für deutsche Sprache und Literatur

Bismarckstraße 10

76133 Karlsruhe

Projektleiterin: Prof. Dr. Heidi Rösch

Förderkennzeichen: 01GJ0907

Förderbetrag: 148.547,80 EUR

Laufzeit: 01.03.2009–31.05.2012


Heranwachsende mit Migrationshintergrund sind in Deutschland schulisch deutlich weniger erfolgreich als in vielen anderen Staaten. Gleichzeitig ist über die Effektivität von verschiedenen Maßnahmen der Förderung dieser Schülergruppe wenig bekannt. Die theoretische Grundlage des Forschungsvorhabens bildete die Kontrastierung von zwei Ansätzen, die in der Literatur zum Lehren und Lernen von Fremd- und Zweitsprachen diskutiert werden. Hierbei handelt es sich zum einen um Förderansätze, die durch „focus on meaning“ und zum anderen um Ansätze, die durch "focus on form" gekennzeichnet sind. Förderkonzepte, die durch „focus on meaning“ gekennzeichnet sind, stellen bei der Rezeption und Produktion von Sprache die inhaltliche Bedeutung in den Vordergrund. Die sprachliche Förderung erfolgt überwiegend implizit, d.h. ohne die Aufmerksamkeit der Lernenden gesteuert auf sprachliche Regeln zu lenken. Förderkonzepte mit „focus on form“ hingegen beinhalten explizite Komponenten, bei denen Sprachstrukturen zum Gegenstand des Unterrichts gemacht werden. Der internationale Forschungsstand weist darauf hin, dass mit Ansätzen, die explizite Komponenten enthalten, bessere Lernergebnisse erzielt werden als mit überwiegend impliziten Ansätzen. Da jedoch die meisten der vorliegenden Studien zum Fremdsprachenunterricht mit älteren Lernenden durchgeführt worden sind, ist unklar, ob sich die Ergebnisse auf Kinder im Grundschulalter übertragen lassen.

Das Forschungsprojekt „Effekte sprachsystematischer und fachbezogener Sprachförderung bei Grundschulkindern nicht-deutscher Herkunftssprache“ ging der Frage nach, wie die deutschen Sprachkompetenzen von Kindern nicht-deutscher Herkunftssprache am besten gefördert werden können. Bei der Zielgruppe des Vorhabens handelte es sich um Drittklässler mit Migrationshintergrund. Das Vorhaben gliedert sich in zwei Teilprojekte, wobei jedes der beiden Teilprojekte jeweils einen der beiden Ansätze, implizite („focus on meaning“) bzw. explizite Sprachförderung („focus on form“), auf seine Wirksamkeit untersuchte. Zusätzlich zu diesen beiden Treatmentgruppen gab es eine Kontrollgruppe, welche die zusätzliche Förderung zu einem späteren Zeitpunkt erhalten hat. Im Rahmen des Projektes wurden die Wirksamkeit der Treatments sowie die Nachhaltigkeit der Effekte anhand von Leistungserhebungen zu vier Messzeitpunkten geprüft. Das Teilprojekt aus Berlin war dabei insbesondere für die Weiterentwicklung, Umsetzung und Untersuchung des „focus on meaning“-Ansatzes verantwortlich, welche durch fachbezogenen Unterricht in den Fächern Mathematik und Sachunterricht angewendet wurde. Das Teilprojekt aus Karlsruhe hat sich hingegen insbesondere mit der Weiterentwicklung, Umsetzung und Untersuchung des „focus on form“-Ansatzes auseinandergesetzt. Dieser wurde durch sprachsystematischen Unterricht im Rahmen von „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) durchgeführt.

Insgesamt ist es dem Projekt gelungen, zwei Förderansätze weiterzuentwickeln und diese im Feld umzusetzen. Die Durchführung der Interventionsstudie an den Schulen ist erfolgreich verlaufen und bietet ein Modell für ähnliche Untersuchungen, da mit dem Ansatz sowohl die interne als auch die externe Validität gesichert werden kann. Die bislang durchgeführten Analysen weisen darauf hin, dass vermutlich nur in einzelnen Bereichen tendenzielle Fördereffekte erzielt werden können. So zeigen die Kinder beider Förderansätze direkt nach Abschluss der Förderung tendenziell bessere Leistungen im Bereich Wortschatz als die nicht geförderten Kinder. Darüber hinaus zeigen die Kinder, die eine fachbezogene Förderung erhalten haben, nach Abschluss der Förderung tendenziell höhere Kompetenzen in Mathematik, nicht jedoch die Kinder der sprachsystematischen Förderung. Für die grammatikalischen Kompetenzen konnte für keinen der beiden Ansätze eine Überlegenheit der Förderkinder im Vergleich zur Kontrollgruppe festgestellt werden. Weiterführenden Analysen unter Berücksichtigung der Implementationsqualität stehen allerdings noch aus. Eine tiefere Analyse der Bedingungen des Fördererfolgs wird in der zweiten Förderphase erfolgen.