Kurz- und langfristige Effekte eines Trainings zur phonologischen Bewusstheit bei Kindergartenkindern deutscher und nichtdeutscher Herkunftssprache (Verbundvorhaben)


Verbundpartner:

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Philosophische Fakultät II

Institut für Psychologie - Lehrstuhl IV

Röntgenring 11

97070 Würzburg

Verbundkoordinator: Prof. Dr. Wolfgang Schneider

Förderkennzeichen: 01GJ0972

Förderbetrag: 229.254,41 EUR

Laufzeit: 01.07.2009–30.06.2012


Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Fakultät Humanwissenschaften

Institut für Erziehungswissenschaft - Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung

Markusplatz 3

96047 Bamberg

Projektleiterin: Prof. Dr. Cordula Artelt

Förderkennzeichen: 01GJ0973

Förderbetrag: 125.510,20 EUR

Laufzeit: 01.07.2009–30.06.2012


Freie Universität Berlin

Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie

Habelschwerdter Allee 45

14195 Berlin

Projektleiter: Prof. Dr. Petra Stanat

Förderkennzeichen: 01GJ0974

Förderbetrag: 133.908,94 EUR

Laufzeit: 01.07.2009–30.06.2012


Zahlreiche Studien und Projekte verdeutlichen, dass in Deutschland aufwachsende Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund niedrigere sprachliche Ausgangsleistungen für einen Schulstart sowie geringere schulische Leistungen vor allem in der Lesekompetenz aufweisen als Kinder aus rein deutschsprachigen Familien. Für Kinder mit Migrationshintergrund scheinen insbesondere unzureichende Deutschkenntnisse für die ungünstigeren Bildungschancen und die mangelnde Teilhabe am deutschen Bildungssystem (mit-)verantwortlich zu sein. Angesichts dieser Fakten und der gesellschaftlichen Brisanz dieser Problematik scheint es notwendig, wirksame und allgemein praktizierte Vorbeugungsmaßnahmen zu entwickeln und auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. Dabei scheinen Fördermaßnahmen, die bereits im Elementarbildungsbereich durchgeführt werden können, besonders vielversprechend zu sein. Vorschulische Maßnahmen im sprachlichen Bereich, die sich vor allem auf eine Förderung formaler Aspekte der gesprochenen Sprache konzentrieren (sog. phonologische Bewusstheit), sind national wie auch international an Muttersprachlern gründlich untersucht worden. In den Evaluationen lässt sich durchgängig feststellen, dass die Förderung zu praktisch bedeutsamen Verbesserungen der phonologischen Bewusstheit und weiterhin zu langfristigen positiven Effekten führt, was den Erwerb des Lesens und Rechtschreibens in der Schule angeht. Dabei profitieren von den Trainingsmaßnahmen nicht nur die Kinder, die über gute Sprachkenntnisse verfügen, sondern vor allem Kinder, die eher niedrige sprachliche Ausgangsfähigkeiten aufweisen.

Um brauchbare Informationen über die Wirkung sprachlicher Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund zu erhalten, wurde der Schwerpunkt der Studie auf die Prüfung der kurz- und langfristigen Wirksamkeit eines Programms zur Förderung der phonologischen Bewusstheit und der Buchstaben-Laut-Zuordnung („Hören, Lauschen, Lernen“) bei Vorschülern mit und ohne Migrationshintergrund gelegt. Zudem waren detaillierte Analysen zum Trainingserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund vorgesehen, die ungünstige sprachliche Voraussetzungen aufwiesen. Es sollte geprüft werden, ob sich Trainingseffekte auch für verschiedene Sprachgruppen generalisieren lassen. Ein zusätzliches Ziel bestand in der Untersuchung der Frage, ob eine systematische Schulung hinsichtlich des Trainings sowie die Trainingserfahrung der Erzieherinnen positive Auswirkungen auf die Effektivität des Trainings haben. Schließlich sollte geprüft werden, ob Unterschiede des Anfangsunterrichts Einfluss auf die langfristige Trainingseffektivität und den Erwerb des Lesens und Schreibens nehmen. Der Studie lag ein Vor-Nachtest-Design mit zwei weiteren Nachuntersuchungen zugrunde, in der die Entwicklung der sprachlichen, schriftsprachlichen und mathematischen Leistungen von Kindern vom letzten Kindergartenjahr bis zum Ende der ersten Klasse untersucht wurden. Im Vor- und Nachtest, der unmittelbar vor bzw. nach dem Training stattfand, wurden relevante Leistungen in den benannten Bereichen erfasst, während zu Schuljahresbeginn die Lernausgangslage, zum Schuljahresende die Leistungen der Kinder im Lesen und Schreiben erfasst wurden. Die Kinder der Trainingsgruppe durchliefen unmittelbar nach dem Vortest die Förderung zur phonologischen Bewusstheit, während die Kinder der Kontrollgruppe das übliche Kindergartenprogramm absolvierten. Ein Teil der Erzieherinnen der Trainingsgruppe erhielt eine ausführliche Schulung, während die anderen Erzieherinnen das Programm nach dem Manual durchführten. Zusätzlich zu den beschriebenen Merkmalen wurden Informationen zu demografischen und familiären Aspekten erhoben.

Allgemein wurde erneut die kurz- und langfristige Wirksamkeit des Förderprogramms bestätigt. Differenzierte Analysen zeigten, dass zu Studienbeginn Kinder mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Muttersprachlern geringere sprachliche Kenntnisse aufwiesen. Es gelang ihnen jedoch, den anfänglichen Rückstand in leichten Aufgaben (z. B. Reime, Silbenidentifikation) aufzuholen, während sie in den schwierigen Aufgaben (z. B. Umgang mit und Manipulation von Lauten) hinter den Leistungen der Kinder ohne Migrationshintergrund zurückblieben. Ein positiver Effekt der Förderung ließ sich auch für die in der Schule erfassten Leistungen im Lesen und Schreiben nachweisen: So schnitten etwa trainierte Kinder mit Migrationshintergrund im Vergleich zu untrainierten Erstklässlern mit Migrationshintergrund besser ab. Ein Einfluss der Schulung war nicht zweifelsfrei nachzuweisen. Die Trainingserfahrung der Erzieherinnen erwies sich jedoch als entscheidender, da die effektive Förderung schwacher Kinder – die in der Studie zumeist Kinder mit Migrationshintergrund waren – vor allem erfahrenen Erzieherinnen gelang. Für die effektive Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund scheinen die Schulungs- und Supervisionsmaßnahmen weniger von Bedeutung zu sein als das Ausmaß an Erfahrung der Erzieherinnen mit dem Trainingsprogramm. Auch wenn angenommen werden kann, dass erfahrene Erzieherinnen Kinder mit geringen Sprachkenntnissen effektiver förderten, wurde bislang noch nicht geklärt, welche Aspekte sich im Detail als besonders bedeutsam erweisen. Dies sollte in künftigen Forschungsarbeiten genauer untersucht werden.