Diskriminierung im Bildungswesen. Mikromechanismen und Makrodeterminanten


Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Fakultät Sozial- und Wirtschaftswissenschaften

Soziologie I

Lichtenhaidestr. 11

96052 Bamberg

Projektleiterin: Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld, vertreten durch Prof. Sandra Buchholz

Promovierender: Sebastian Wenz

Förderkennzeichen: 01JG1068

Förderbetrag: 119.781 EUR

Laufzeit: 01.02.2011 - 31.01.2014


Vor dem Hintergrund der Diskussion um Effizienz und Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem widmet sich das Forschungsprojekt der Frage, inwieweit institutionelle und damit politisch veränderbare Rahmenbedingungen dafür verantwortlich sind, dass bestimmte Gruppen von Schülern darunter leiden, dass es in den von Lehrkräften vergebenen Noten und Übergangsempfehlungen zu systematischen Abweichungen von meritokratischen Standards kommt. Verschiedene Theorien legen unterschiedliche Mechanismen nahe, warum Menschen diskriminierende Entscheidungen treffen (Mikromechanismen). Diese Situationen entstehen häufig aufgrund bestimmter Charakteristika des deutschen Bildungssystems bzw. der Bildungssysteme der Bundesländer (Makrodeterminanten).Theoretischer Ausgangspunkt ist dabei das Konzept der institutionellen Diskriminierung, das sich mit dem kausalen Effekt von institutionellen Regelungen auf das Ausmaß an Diskriminierung befasst. Obwohl dieser Ansatz schon länger diskutiert wird, gibt es in der Forschung große Forschungslücken, die das Projekt füllen soll. Das Vorhaben zielt ab auf die Identifikation der Mikromechanismen und Makrodeterminanten von Diskriminierung im Bildungssystem. Zur Untersuchung der beiden Themenkomplexe – Mikromechanismen und Makrodeterminanten – werden Datensätze verschiedener Querschnitts- und Längsschnittsstudien (z.B. IGLU 2006, BiKS) regressionsanalytisch ausgewertet. Bisherige Ergebnisse legen nahe, dass Lehrkräfte an deutschen Grundschulen tatsächlich diskriminierende Urteile gegen Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder unterer sozialer Schichten fällen. Sie tun dies eher in Situationen, in denen sie ihre Entscheidungen auf unvollständige Informationen stützen müssen. Das legt nahe, dass es sich hier eher um einen Rückgriff auf stereotypes Wissen über verschiedene Schülergruppen handelt, als um vorurteilsbasierte Urteile gegenüber Kindern, die erkennbar anderen sozialen oder ethnischen Gruppen angehören.