Betreuungsbiographien von Kindern im Vorschulalter. Eine Analyse des Sozioökonomischen Panels


Universität Potsdam

Humanwissenschaftliche Fakultät Bildungswissenschaften

Allgemeine Grundschulpädagogik und -Didaktik

Karl-Liebknecht-Str. 24-25

14476 Potsdam, OT Golm

Projektleiterin: Prof. Dr. Agi Schründer-Lenzen

Promovierende: Franziska Wilke

Förderkennzeichen: 01JG0912

Förderbetrag: 88.329 EUR

Laufzeit: 01.10.2009 - 30.09.2012


In Deutschland hat während der letzen Jahre die erziehungswissenschaftliche Forschung zu Aspekten institutioneller Kinderbetreuung vor Schuleintritt deutlich zugenommen. Gleichwohl gibt es bisher wenige Erkenntnisse darüber, ob bzw. in welchem Umfang eine Kompensation von frühen Bildungsbenachteiligungen gelingt. Seit 2003 werden durch das Sozioökonomische Panel (SOEP) Daten zur Betreuungsbiographie von Kindern erhoben, so dass geprüft werden kann, wie sich soziale Herkunftsmerkmale und Familienhintergrundvariablen im Kontext einer institutionellen Kinderbetreuung auswirken. Ziel des Projekts war es, eine evidenzbasierte Antwort auf die Frage geben zu können, wie sich der Besuch von Kinderbetreuungseinrichtungen auf die Entwicklung von Kindern auswirkt, wenn unterschiedliche Aspekte wie Besuch und Dauer der Betreuung in einer Kindertageseinrichtung und gleichzeitig kindbezogene Variablen wie soziale Herkunft, kognitiv und sozial anregendes Umfeld in der Familie berücksichtigt werden. Anhand einer Sekundärauswertung des SOEP wurde geprüft, inwiefern verschiedene Merkmale der Betreuungsbiographie von Kindern den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und der kindlichen Entwicklung kompensieren. Weiterhin wurden zur Kontrolle der Rahmenbedingungen institutioneller Betreuung Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik aus dem Jahr 2008 hinzugezogen. Die Analysen beziehen sich auf die Altersgruppe der ein- bis sechsjährigen Kinder. Zunächst wurde das Bedingungsgefüge Betreuungsinstitution, Familie und kindliche Entwicklung daraufhin untersucht, wie hoch der Einfluss der sozialen Herkunft bereits vor Schuleintritt ist und durch welche Merkmale er sich erklären lässt. Im zweiten Schritt wurden Moderatoranalysen durchgeführt, um den Effekt des Besuchs einer Kindertagesstätte auf den Zusammenhang zwischen Familienkontext und kindlicher Entwicklung abzubilden. Sowohl das kulturelle Kapital als auch die Aktivitäten der Eltern mit dem Kind erweisen sich als Haupteinflussfaktoren auf die kindliche Entwicklung. Die Analysen zeigen auch, dass institutionell betreute Kinder die höchsten Werte in den Entwicklungsmaßen der Dreijährigen aufweisen. Dennoch bleibt der Zusammenhang zwischen dem kulturellen Kapital der Eltern und der kindlichen Entwicklung bestehen und verstärkt sich sogar noch bei den sechsjährigen Kindern. Tendenziell profitieren Kinder aus Familien mit hohem kulturellem Kapital mehr von der Kita als Kinder, die aus benachteiligten oder mehrfach sozial belasteten Familien stammen. Perspektivisch wird nicht nur der quantitative, sondern insbesondere auch der qualitative Ausbau flexibler Kinderbetreuungsmöglichkeiten wichtig bleiben.

Weitere Informationen unter:
http://www.uni-potsdam.de/allgemeinegrundschulpaeddidaktik