Bildungsdisparitäten nach Staatsangehörigkeit und Migrationshintergrund


Eine regionale und schulformspezifische Analyse allgemein bildender Schulen in den deutschen Bundesländern

Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF)

Schloßstr. 29

60486 Frankfurt am Main

Projektleiter: Prof. Dr. Horst Weishaupt

Promovierender: Thomas Kemper

Förderkennzeichen: 01JG091

Förderbetrag: 121.314 EUR

Laufzeit: 01.10.2009 - 30.09.2012


Bisher wurden ausländische Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen von der Bildungsforschung nur selten staatsangehörigkeitsspezifisch betrachtet, da die verwendeten Datenquellen nur bedingt ausreichende Fallzahlen liefern konnten. In Folge dessen wurden bestehende Bildungsdisparitäten für Schülerinnen und Schüler verschiedener Staatsangehörigkeiten nicht ausreichend identifiziert. Der beschriebene Mangel unzureichender Differenzierung des staatsangehörigkeitsspezifischen Schulbesuchs sollte durch das Projekt behoben werden. Nichtdeutsche Schülerinnen und Schüler wurden an allgemeinbildenden Schulen nach ihrer spezifischen Staatsangehörigkeit auf der Grundlage von Daten der amtlichen Schulstatistik analysiert. Untersucht wurde die staatsangehörigkeitsspezifische Bildungsbeteiligung für Deutschland insgesamt sowie in den Bundesländern. Um Ungleichheiten hinsichtlich des Schulerfolgs feststellen zu können, wurden die erreichten Abschlüsse (bzw. Abgängerquoten) nach Schulform und Staatsangehörigkeit berechnet. Durch Änderungen im Staatsangehörigkeitsrecht und den hieraus resultierenden statistischen Auswirkungen wurde die Aussagefähigkeit des Merkmals Staatsangehörigkeit im Vergleich zum Migrationshintergrund von Schülern untersucht und die (verbleibenden) Potentiale und Limitationen der schulstatistischen Indikatoren ‚Ausländische Schüler’ vs. ‚Schüler mit Migrationshintergrund’ überprüft. Analysen zu Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund wurden für einzelne Bundesländer – wie etwa Rheinland-Pfalz – durchgeführt, die die hierfür erforderlichen amtlichen Schülerindividualstatistiken erheben. Die Ergebnisse zeigen, dass erhebliche Bildungsdisparitäten für Schüler nach Staatsangehörigkeit bestehen, die bisher nur unzureichend betrachtet wurden. Z. B. besuchen Schüler mit französischer, vietnamesischer und ukrainischer Staatsangehörigkeit zu etwa 50 % und mehr ein Gymnasium und damit häufiger als deutsche Schüler, während dieser Anteil für marokkanische, albanische und libanesische Schüler maximal 10 % beträgt. Zudem zeigte sich ein – u. a. durch das geänderte Staatsangehörigkeitsrecht bedingter – Bedeutungsverlust des Staatsangehörigkeitsmerkmals bezogen auf die Erfassung von Schülern mit Migrationshintergrund. Durch fehlende Elterninformationen kann der Migrationsstatus der Schüler meist nur noch über die Angabe der zu Hause gesprochenen Sprache erfasst werden, dessen Erhebung kaum standardisierbar und daher nur wenig geeignet ist.

Weitere Informationen unter:
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